Buchtipp: Schicksalhafte Begegnungen in der Utrechter Straße

In Regina Scheers Roman dreht sich alles um ein Weddinger Mietshaus und seine Bewohner.

Es kommt nicht oft vor, dass der Wedding die Hauptrolle in einem Roman spielt. In Regina Scheers neuem Buch aber ist das Stadtviertel eindeutiger Protagonist: In „Gott wohnt im Wedding“ sind die handelnden Personen alle untereinander und schicksalhaft mit dem ehemals roten Wedding verbunden. Vor allem mit dem heruntergekommenen Haus dort an der Utrechter Straße. Leo, der nach 70 Jahren aus Israel nach Deutschland zurückkehrt, obwohl er das eigentlich nie wollte. Seine Enkelin Nira, die Amir liebt, der in Berlin einen Falafel-Imbiss eröffnet hat. Laila, die gar nicht weiß, dass ihre Sinti-Familie hier einst gewohnt hat. Und schließlich die alte Gertrud, die Leo und seinen Freund Manfred 1944 in ihrem Versteck auf dem Dachboden entdeckt, aber nicht verraten hat.

Regina Scheer hat in ihrem zweiten Roman nach dem Bestseller „Machandel“ die Leben ihrer Protagonisten zu einem literarischen Epos verwoben, das über die Grenzen des Wedding hinausgeht. Die Autorin, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität, arbeitete bei der Wochenzeitschrift „Forum“. Danach war sie freie Autorin von Reportagen, Essays und Liedtexten. Nach 1990 wirkte sie zudem an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Für ihren ersten Roman „Machandel“ erhielt sie 2014 den Mara-Cassens-Preis. Die nächste Lesung in Berlin findet am 15. Mai in der Tegeler Humboldt-Bibliothek, Karolinenstraße 19, um 19.30 Uhr, statt.

Datum: 22. April 2019, Text: Redaktion, Bild: imago images / Jürgen Ritter