Ansturm auf Schulkantinen

Grundschulverband fordert ein Konzept für das Gratis-Mittagessen.

In vielen Grundschul-Mensen im Bezirk wird es ab dem nächsten Schuljahr eng. Dann sollen alle Berliner Grundschüler ein kostenloses Mittagessen bekommen und so einkommensschwache Eltern entlastet werden. Das hat das Abgeordnetenhaus jetzt beschlossen. Doch bislang ist offen, wie die Schulen den zu erwartenden Mehrbedarf an Platz, Personal oder auch Tellern und Bestecken schultern sollen. Die Gratis-Mahlzeit gilt berlinweit für rund 170.000 Grundschüler der Klassen eins bis sechs. Bisher liegt die Kostenbeteiligung pro Kind bei 37 Euro im Monat.

Der Grundschulverband ist besorgt. In einem offenen Brief heißt es: „Die überstürzte Einführung des kostenlosen Mittagessens für alle Kinder wird zu einer Verschlechterung des pädagogischen Ganztagsangebots führen, da die ohnehin knappen Mitarbeiter über einen langen Zeitraum mit der Essensbetreuung beschäftigt sein werden.“ Außerdem seien „fehlende Kapazitäten in den Mensen“ zu befürchten, „sodass sich die Mittagessenszeit oft über einen sehr langen Zeitraum ausdehnen und teilweise in dafür ungeeigneten Räumen stattfinden muss.“ Der Grundschulverband setzt sich dafür ein, die Gratis-Mahlzeit analog zur kostenlosen Betreuung schrittweise einzuführen.

Deutliche Steigerung.

Grundsätzlich sei die Beitragsfreistellung sicherlich ein weiterer Anreiz zur wünschenswerten Verbesserung der Essenversorgung an den Berliner Schulen, erklärt dazu Pankows Stadtbezirksschulrat, Thorsten Kühne (CDU). Die kurzfristige Umsetzung zum nächsten Schuljahr bedeute aber eine zusätzliche schulorganisatorische, administrative und zum Teil auch bauliche Herausforderung. „Für Pankow kann ich sagen, dass schon jetzt alle Kinder in gebundenen Ganztagsschulen sowie Kinder mit Verträgen für die ergänzende Förderung und Betreuung am Mittagessen teilnehmen“, berichtet Kühne. Dem Bezirk lägen keine Daten darüber vor, wie viele Eltern von Kindern, die bisher nur die verlässliche Halbtagsschule besucht haben, nun für ihre Kinder das kostenfreie Mittagessen in Anspruch nehmen werden. Es sei aber auch in Pankow mit einer deutlichen Steigerung zu rechnen.

Überweigende Mehrheit

Zum neuen Schuljahr 2019/2020 werden laut Modellrechnung 20.050 Grundschüler in Pankow erwartet. Gemeinsam mit der Außenstelle der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) hat der Bezirk eine Abfrage bei den betroffenen Schulen (Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und grundständigen Gymnasien) durchgeführt. Die überwiegende Mehrheit der Schulen sieht sich im Ergebnis der Abfrage in der Lage, das beitragsfreie Mittagessen auch bei steigenden Teilnehmerzahlen umzusetzen. An einigen Standorten sind zur Umsetzung weitere schulorganisatorische, bei wenigen Standorten voraussichtlich auch bauliche Maßnahmen notwendig.

Diese aber könnten nicht bis August umgesetzt werden, so dass Behelfslösungen wie Container oder die Umnutzung von Räumen nötig werden. Genaue Angaben sind aber erst möglich, wenn die neuen Teilnehmerzahlen am Essen im nächsten Schuljahr bekannt sind. Grundsätzlich ist anzumerken, dass bereits an den meisten Standorten bis zu fünf Essendurchgänge in der Zeit von circa 11 bis 14 Uhr notwendig sind, um alle teilnehmenden Kinder ein Mittagsessen zu ermöglichen. Bei anstehenden Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen wird grundsätzlich mit einer Essensteilnahme von 100 Prozent geplant.

Datum: 25. April 2019 Bild: imagophotothek/Florian Gärtner Text: N. Michaelis/U. Teichert