Sport gegen Vorurteile

Wiener Verein startet Pilotprojekt in Tempelhof-Schöneberg.

Gegen religiös motivierte Übergriffe, Rassismus, Radikalisierung und Antisemitismus richtet sich das Präventionsprojekt  „Not in God’s Name“ (NGIN) und steht dabei für die Vermeidung von Übergriffen im Namen der Religion. In Workshops werden Themen aus Politik, Geschichte und Religion spielerisch und aktiv behandelt. Dazu gehört auch die sportliche Betätigung mit Vorbildern.  Im März begann das Projekt, das seinen Ursprung in Wien hat, mit der dazugehörigen Workshopreihe in Tempelhof-Schöneberg. Jugendlichen aus der Gemeinschaftsunterkunft Columbiadamm werden innerhalb von sieben Wochen von erfolgreichen Athleten aus dem Kampfsportbereich Werte vermittelt.

Angelika Schöttler beim Workshop.

Durch den gezielten Einsatz von Vorbildern, sogenannten „Role Models“, wird den Jugendlichen verdeutlicht, dass das Zusammenleben in der deutschen Gesellschaft nur im friedlichen Dialog mit anderen Kulturen möglich ist. Hierfür wird mit anerkannten Sportlern aus dem Kampfsportbereich zusammengearbeitet, da nachweislich besonders radikalisierungsgefährdete Jugendliche in diesem Bereich ihre Vorbilder sehen.

Zum Start waren Christian Görisch aus Hamburg sowie Max Baumert aus Berlin angereist. Görisch ist ehemaliger olympischer Boxer sowie Gewinner zahlreicher nationaler Preise und Meisterschaftstitel. Er widmet sich in Hamburg seit Jahren der Jugendgewaltprävention. Baumert ist deutscher Kickboxer und Deutscher Meister als auch Europameister der WKN und Weltmeister der WKA und WKU. Durch die Interaktion mit den Idolen sollen Vorurteile abgebaut werden und Toleranz und Respekt gefördert werden. Der Fokus liegt darauf, Lebensziele zu entwickeln, denn „wer Ziele im Leben hat, kann nicht auf den falschen Weg geraten“, sagt der Berliner Projektleiter Stephan M. Schnurpfeil. „Es findet ein positiver Ansatz statt, bei dem kein Jugendlicher vorverurteilt wird, sondern eine gemeinsame Diskussion auf Augenhöhe entsteht und jeder Jugendliche seine persönlichen Vorstellungen einbringen kann.“
Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sieht das Projekt als unterstützenswert an. Sie erklärt: „Ich war schnell begeistert als das Team von Not in God’s Name mir die Projektidee vorstellte und sagte meine Unterstützung zu. Daher freue ich mich, dass nun der erste Durchlauf in Tempelhof-Schöneberg gestartet ist. Ich bin mir sicher, dass die Kombination aus Theorie und Sport der richtige Weg ist, um junge Menschen anzusprechen und präventiv tätig zu werden.“
Das Konzept NIGN mit der Mischung aus Workshops mit Lerninhalten zu aktuellen Themen und Sport mit Vorbildern stammt vom Unternehmer Dr. Alexander Karakas und läuft bereits seit drei Jahren sehr erfolgreich in Österreich mit vielfachen Auszeichnungen. So wurde es etwa zum Sportprojekt des Jahres in Österreich 2017 gekürt. Zusammen mit Karim Mabrouk (Intercontinental Champion in den Disziplinen K1 und Full Contact sowie World Cup Sieger 2018) kann das Projekt in Wien schon seit Jahren auf viele Erfolge zurückblicken. Nach erfolgreicher Durchführung sind weitere Projekte an Schulen und anderen Unterkünften in Berlin geplant.
Datum: 28. April 2019, Text: red, Bild: Getty Images Plus/iStock/fizkes