Ein Katzensprung in die Schorfheide

Die Heidekrautbahn soll die Nordberliner in ein paar Jahren schnell ins Grüne bringen

Vom Bahnhof Wilhelmsruh soll es ab 2023 nur noch 60 Minuten dauern, bis der interessierte Pankower mitten in der Schorfheide in Groß Schönebeck steht. 15 Minuten weniger sind es sogar, wenn er die neue alte Heiderkrautbahn am Bahnhof Wandlitzsee verlässt, um am namengebenden Gewässer ein paar wunderschöne Sommerstunden zu verbringen.

Ein Traum wird wahr, ein Vorhaben Wirklichkeit, über das schon seit fast drei Jahrzehnten diskutiert wird: Berlin und Brandenburg bekommen eine traditionsreiche Bahnverbindung zurück, die es sechs Jahrzehnte gegeben hat – bis sie mit dem Mauerbau 1961 erst unterbrochen und dann immer weiter gekürzt wurde. Die fast 14 Kilometer lange Stammstrecke der Heidekrautbahn, auf der 1901 erstmals ein Zug rollte, wird von der Bahngesellschaft Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) wiederbelebt.

Notwendige Gutachten

Das Projekt, dessen Kosten inzwischen auf fast 20 Millionen Euro veranschlagt werden, nützt nicht nur Pendlern aus Brandenburg, sagte Planer Stephan Garkisch. „Berliner gelangen schneller in die schöne Schorfheide“ – aber auch nach Wandlitz und Wandlitzsee. Pankow, das Märkische Viertel, eigentlich der komplette Berliner Norden profitieren von dem Regionalbahnanschluss.

„Unsere Kollegen von der Deutschen Bahn finden unsere Planung äußerst ehrgeizig“, sagte Garkisch. Doch seine Mitstreiter und er halten daran fest. In diesem Jahr sollen die nötigen Gutachten fertig werden – unter anderem zum Thema Umwelt und Lärm. 2020 und 2021 sind den Plangenehmigungsverfahren vorbehalten.

Zwar handelt es sich vielerorts um eine Instandsetzung bestehender Bahnanlagen, wofür keine solche Prozedur erforderlich ist. Doch es entstünden auch neue Stationen und Bahnübergänge. Außerdem bekomme die größtenteils eingleisige Trasse zweigleisige Abschnitte – im Bahnhof am Wilhelmsruher Damm und kurz vor Mühlenbeck.

„Wir gehen davon aus, dass große Teile definitiv Planfeststellungen brauchen. Ob 60, 90 oder 99 Prozent, wird noch geklärt“, sagte Reinhold Dellmann, der frühere Brandenburger Infrastrukturminister, auf einer Bürgerversammlung in Niederschönhausen.

Intensive Arbeiten

Bis 2023 soll gebaut werden. Zum Fahrplanwechsel in jenem Jahr steht dann die Eröffnungsfeier an. Garkisch: „Ende 2023 wollen wir den Betrieb aufnehmen.“ Weiß-blaue Triebwagen der NEB fahren dann mit Höchsttempo 80 täglich zunächst im Stundentakt bis Berlin-Wilhelmsruh, wo Fahrgäste auf S-Bahnen und Busse umsteigen.

Von Basdorf wird die Reise 24, von Schildow zehn und von Blankenfelde sieben Minuten dauern. Im Endzustand wird die Regionalbahnlinie dann auf Gleisen der Deutschen Bahn (DB) über Wilhelmsruh hinaus weiter nach Gesundbrunnen führen. Bislang hieß es, dass der Betrieb des zweiten Abschnitts im Zeitraum 2028 bis 2030 beginnt.

Doch könne das auch schon 2027 oder früher möglich sein, so Dellmann. „Bei der Bahn wird sehr intensiv gearbeitet.“ Sie wolle den Güterbahnhof Schönholz neu nutzen. Informationen aus Bahnkreisen zufolge könnten dort Fernzüge auf ihren nächsten Einsatz ab Gesundbrunnen warten.

Datum: 9. Mai 2019 Text: P. Neumann/M. Wolf Bild: NEB/Silke Willenborg