Holz-Hybrid erobert Berlin

Die neue Vattenfall.Zentrale am Südkreuz wird mit viel Holz und wenig Beton gebaut.

Im Jahr 2021 will der Energieversorger Vattenfall mit seiner ganzen Belegschaft an den Hildegard-Knef-Platz direkt am Bahnhof Südkreuz ziehen. Damit ist das Unternehmen eines der ersten, das im Entwicklungsgebiet Schöneberger Linse seine neue Heimat findet. Vom Projektentwickler Edge Technologies lässt Vattenfall ein besonderes Gebäudeensemble errichten. Auf rund 10.000 Quadratmetern entsteht ein Komplex in Holz-Beton-Hybrid-Bauweise – ein großes Projekt, für dessen Realisierung nun die Zech Building beauftragt wurde. Der Vertrag zur schlüsselfertigen Errichtung ist jüngst unterzeichnet worden.

Ressourcen schonen

Das künftige Gebäude mit dem Namen Edge Suedkreuz Berlin, entworfen vom Architekturbüro Tchoban-Voss, soll aus zwei Baukörpern bestehen – einem Solitär und einem um ein zentrales Atrium errichtetes Carré-Gebäude. 32.000 Quadratmeter Geschossfläche sind vorgesehen. Die oberirdischen Geschosse beider Baukörper werden in modularer Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. „Das zukunftsweisende und nachhaltige Bausystem entspricht dem innovativen und ressourcenschonenden Anspruch, der von Edge Technologies, Zech Building und dem Planungsteam bereits bei der Konzipierung formuliert wurde“, heißt es in einer Mitteilung.

Weniger CO2

Artrium des künftig größten Holz-Hybrid-Gebäudes Deutschlands

Durch die intelligente Kombination des nachwachsenden Rohstoffs Holz mit Beton würden sich die für die Herstellung des Rohbaus anfallenden Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Stahlbetonbauweise um bis zu 80 Prozent pro Quadratmeter Nutzfläche reduzieren. Die Bauweise trage außerdem zu einem dauerhaft gesunden Raumklima für die Nutzer bei. Die verwendeten Baumaterialien sind laut Projektentwickler weitgehend recyclefähig nach dem sogenannten „Cradle-to-Cradle-Prinzip“ (engl., „von Wiege zu Wiege“). Das bedeutet, alle Materialien sollen nach Gebrauch wiederverwendet werden.

Die beiden Gebäude verfügen über je sieben oberirdische Geschosse. Die Erdgeschosse bieten Platz für gemeinschaftliche Flächen und öffentliche Nutzungen. Von Kitas, Gewerbe und einem Supermarkt ist die Rede. Die Obergeschosse eins bis sechs sind für Vattenfall vorgesehen. Der Energieversorger will all seine Bereiche, die bisher an verschiedenen Standorten in der Stadt verteilt sind, hier unter einem Dach zusammenbringen. Rund 2.000 Vattenfall-Mitarbeiter sollen demnach im Edge Suedkreuz untergebracht werden. Die Deutschland-Zentrale befindet sich momentan noch an der Chausseestraße. Auch in Hamburgs Hafencity plant Vattenfall gerade einen zentralen Standort, ebenfalls in Holz-Hybrid-Bauweise.

Nachhaltig bauen

Das Atrium des Carrés wird geprägt durch vier baumartige Treppenkonstruktionen. „Holz-Hybrid-Gebäude sind über ihren gesamten Lebenszyklus besonders umweltfreundlich“, sagt Martin Rodeck, Vorsitzender der Geschäftsführung von Edge Technologies in Deutschland. Dies unterstreicht auch Olaf Demuth, Geschäftsführer der Zech Building GmbH: „Die Holz-Hybrid-Modulbauweise hat keinerlei Nachteile zur konventionellen Betonausführung und spart Ressourcen von der Produktion bis hin zum gesamten Lebenszyklus der Immobilie.“

Hoch hinaus

Das vom österreichischen Start-up-Unternehmen Cree entwickelte modulare Holz-Hybrid-System ermöglicht eine radikale Reduzierung der Betonmenge, wodurch nur ein Fünftel der üblichen Kohlendioxid-Belastung entsteht. Mit diesem System können problemlos sogar 30-stöckige Hochhäuser mit einer Höhe von bis zu 100 Metern realisiert werden. Holz und Beton teilen sich dabei die Traglasten. Zwar sind Holz-Hybrid-Gebäude aktuell noch etwas teurer als herkömmliche Betonbauten, dafür verkürzt die modulare Bauweise jedoch die Bauzeit auf der Baustelle.

Datum: 13. Mai 2019, Text: Sara Klinke, Bilder: EDGE/de Winder/xoio