“Ich war ein Ehrenmord”

Der Film „Nur eine Frau“ porträtiert die in Tempelhof erschossene Hatun Sürücü eindringlich.

Es war am 7. Februar 2005, als Hatun Aynur Sürücü im Alter von 23 Jahren von einem ihrer Brüder mit drei Schüssen ins Gesicht hingerichtet wurde. Es geschah an der Bushaltestelle Oberlandgarten in Tempelhof, in der Nähe ihrer Wohnung. Es war ein sogenannter „Ehrenmord“. Sie wollte ein freies und selbstbestimmtes Leben führen und hat damit bewusst gegen die strengen Regeln und tradierten Ehevorstellungen ihrer Familie verstoßen.

Das Schicksal der jungen Frau mit türkisch-kurdischen Wurzeln steht für viele Mädchen und Frauen, die unter Gewalt im Namen der Ehre leiden. Anlass für Regisseurin Sherry Hormann, die Thematik in einem Film aufzugreifen – emotional und analytisch, aufgebaut auf Basis von Gerichtsakten, Urteilen, Zeugenaussagen und journalistischen Recherchen.

Seit Anfang Mai ist „Nur eine Frau“ in den Kinos. In dem von Sandra Maischberger produzierten Film spielt Almila Bagriacik die Rolle der Hatun Aynur Sürücü, jener Frau, die voller Lebensenergie den patriarchalen Traditionen trotzte, ohne die Liebe zu ihrer Familie jedoch aufgeben zu wollen. Aynur (Almila Bagriacik) will ihren Bruder Nuri (Rauand Taleb) zur Bushaltestelle bringen, als das Unglaubliche geschieht: Auf offener Straße wird sie von ihrem Bruder erschossen.

Nur wenige hundert Meter von der Haltestelle entfernt, liegt ihr fünfjähriger Sohn im Bett und schläft. Doch wie konnte es zu dieser schrecklichen Tat kommen? Aynur erzählt in diesem Film von ihrem bewegten Leben. Sie liebt das Leben, macht eine Ausbildung zur Elektroinstallateurin, geht mit Freundinnen aus und lernt Männer kennen. Sie möchte der Gewalt in ihrer Ehe entfliehen und will sich auch nicht von ihren Eltern oder Brüdern sagen lassen, was sie nun zu tun hat. Aynur ist sich bewusst, dass sie mit ihrem neuen Leben, gegen die geltenden Traditionen ihrer Familie verstößt und sich damit auch in Gefahr bringt. Doch ihr Wunsch nach Freiheit ist größer. Die Drohungen und Beleidigungen ihrer Brüder werden zunehmend ernster, bis für Aynur eines Tages alles zu spät ist.

Datum: 19. Mai 2019, Text: sara, Bild: imago images/Future Image