Autobahn durch Steglitz soll abgerissen werden

Bezirksparlament beschließt Umwandlung der A 103 in eine Stadtstraße

Die vom Steglitzer Kreisel zum Kreuz Schöneberg führende Autobahn 103 soll verschwinden. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg in der vergangenen Woche auf Initiative der Fraktionen von SPD und Grünen beschlossen. Der von der Mehrheit der Bezirksverordneten verabschiedete Antrag sieht vor, die sechsspurige Autobahn zu einer „leistungsfähigen“ vierspurigen Stadtstraße mit Radverkehrsanlagen zurückzubauen. Das würde den Abriss der bestehenden Hochfahrbahn bedeuten.

Freie Flächen

Begründet wird das Ganze mit einer Frequenz von „nur“ 28.000 Fahrzeugen pro Tag. Das entspreche einer vierspurigen Stadtstraße mittlerer Belastung. Die Senatsverkehrsverwaltung geht hingegen von 64.000 Fahrzeugen aus. Die so gewonnenen Flächen sollen als Bauland für rund 1.500 Wohnungen und Gewerbe dienen. Zudem soll die Autobahn 100 im Bereich des Kreuzes Schöneberg überdeckelt werden. Um die Sache ins Rollen zu bringen, müsste sich das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg gegenüber dem Senat für das Projekt einsetzen. Letztendlich zuständig für den Autobahnbau ist allerdings der Bund.

Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hatte aus der Presse von dem Thema erfahren. „Niemand von der BVV Tempelhof-Schöneberg hat mit uns vorher Kontakt aufgenommen, und das, obwohl die Autobahn, um die es geht, zum größten Teil durch Steglitz-Zehlendorf führt“, so die CDU-Politikerin. Sie befürchtet vor allem ein höheres Verkehrsaufkommen in der Schloßstraße, sollte die A 103 eines Tages wirklich zu einer Stadtstraße werden. „Die Autobahn wurde einst ja gerade zur Entlastung der Schloßstraße gebaut“, betont sie. Die Forderung nach einem Rückbau sei „kurz gesprungen“.

Schlechtes Beispiel

Wenig hält Richter-Kotowski von einer Überdeckelung der A100. „Das ist städtebaulich äußerst schwierig, wie die Autobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße als abschreckendes Beispiel zeigt“, sagt sie. Sinnvoller wäre es, vorhandene Brachen in diesem Bereich zu bebauen. Die Rathauschefin ist offen für Gespräche mit den Befürwortern des Autobahnrückbaus, zumal das Thema künftig auch in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf diskutiert werde. Die Initiative für diesen Austausch müsse aber von Tempelhof-Schöneberg ausgehen.

Oliver Friederici, CDU-Abgeordneter aus Lankwitz und verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus, sagte dem RBB, es sei „absurd“, in einer wachsenden Stadt einen Rückbau von Straßen zu fordern. Bernd Steinhoff, Fraktionschef der Grünen in der BVV Steglitz-Zehlendorf, unterstützt die Rückbauforderung aus dem Nachbarbezirk. Die A 103 sei eine „gigantische Platzverschwendung“. An den Enden der vier Kilometer langen Trasse komme es immer wieder zu Staus, weil die Kreuzungen dort weniger leistungsfähig seien. Demnach würde der Verkehr auf einer Stadtstraße, wo langsamer gefahren wird, besser fließen.

Die 1968 eröffnete „Westtangente“ ist ein Torso einer ab den 1960er-Jahren verfolgten Verbindung zur Autobahn 111 in Reinickendorf. Diese Planung hat der Senat allerdings schon vor vielen Jahren verworfen.

Datum: 22. Mai 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/photothek