Hebt Hertha BSC bald in Tegel ab?

Sportsenator Geisel bringt Airport als Standort für neues Stadion ins Spiel.

In der Endlosdebatte um eine neue Spielstätte für Hertha BSC gibt es jetzt eine weitere Option: den Flughafen Tegel. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hat den Standort dieser Tage ins Spiel gebracht. Wenn der Fußball-Bundesligist in Berlin bauen wolle, wäre das Gelände des Flughafens nach dessen Schließung durchaus eine Möglichkeit, so Geisel gegenüber der Zeitung „B.Z.“. Die Einzelheiten müssten aber noch geprüft werden. Der Senat mache Hertha damit ein Angebot, man diktiere aber keinen fertigen Plan.

Geisels Diskussionsbeitrag kommt offenbar nicht von ungefähr: Nach Informationen des rbb wurde über ein Stadionbau in Tegel schon länger mit dem Verein gesprochen. Den bisherigen Zeitplan von Hertha BSC, das Stadion im Juli 2025 fertigzustellen, würde der Bau auf dem Flughafengelände allerdings durchkreuzen: Eine Fertigstellung des Stadions in Tegel ist laut Geisel frühestens ab 2027 möglich.

Austausch angekündigt

Als möglichen Ort für Herthas neue Arena nennt Geisel laut einem Bericht des „Berliner Kuriers“ die nordöstliche Ecke, den militärischen Teil des Flughafens. Dort landen und starten Hubschrauber der Flugbereitschaft des Bundes – und werden es wohl noch bis 2025 tun. Offen ist, wie viel Platz gebraucht wird. Auch Hertha hat Tegel schon einmal bewertet und einen Bedarf von 330.000 Quadratmeter genannt. Im bislang favorisierten Olympiapark war der Verein von 55.000 Quadratmetern ausgegangen. Diese Option fand allerdings bisher weder im Senat noch im Abgeordnetenhaus Rückhalt.

Viel Raum für Ideen: Die neue Hertha-Arena könnte allerdings erst ab 2027 auf dem jetzigen Flughafenareal errichtet werden. Bild: Günter Wicker/Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Nach Geisels Einlassung erklärte Hertha-Manager Michael Preetz dem Bericht zufolge, der Verein werde jetzt mit dem Senat „in den Austausch gehen“. Bisher ist in Tegel eine „Urban Tech Republic“ geplant – ein Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologie im alten Flughafenterminal sowie Wohnungsbau. Die Planung hierfür steht und fällt mit der Entwicklung auf dem Pannenflughafen BER. Dessen Eröffnung ist für Oktober kommenden Jahres angesetzt.

Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer ist von Geisels Vorschlag wenig überrascht. „In Berlin gibt es neben dem Olympiapark, dem Tempelhofer Feld und eben dem Flughafen Tegel keine geeigneten Freiflächen, die ein solches Stadionprojekt aufnehmen könnten“, so der CDU-Politiker. Für ihn spricht einiges für den Umzug. „Erstens gibt es auf dem heutigen Flughafengelände sicher ausreichend Platz. Zweitens ist eine Anbindung an die bereits existierende Stadtautobahn möglich.“ Drittens könnte – sofern denn der Flughafen wirklich schließt – die Entwicklung des Areals durch eine Verlängerung der U6, eine Straßenbahnlinie zur U7 sowie eine mögliche Anbindung an die wiederbelebte Siemensbahn entscheidend befördert werden.

Biotop gefährdet

Verwundert reagieren die Grünen. In der bisherigen Planung sei eine verkehrstechnische Erschließung des Gebietes nicht vorgesehen und auch kaum realisierbar, da natursensible Bereiche durchschnitten würden, hieß es aus der Bezirksfraktion. Das vorgesehene Areal sei ein wertvolles Biotop. Für Nicole Ludwig von der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus würde ein neues Stadion „klar zulasten der Wohnbebauung gehen“. Sie verweist auf den „immensen Platzbedarf“ und die „Lärmbelastung“. Das könne niemand wollen.

Datum: 24. Mai 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: imago images/Nordphoto