Gründung mit Hindernissen

Jungunternehmerin Laura Zumbaum wurde für den Werner-Bonhoff-Preis nominiert.

Dass Not tatsächlich erfinderisch macht, hat Gründerin Laura Zumbaum mit ihrem Start-up „selo“ mehr als bewiesen. Denn eigentlich ist die Limonade aus grünen, also ungerösteten Kaffeebohnen, die Berliner seit einigen Monaten in ihren Supermärkten und Lieblings-Spätis finden, nur eine Notlösung. Für genau diese wurde Zumbaum nun für den „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel 2019“ nominiert.

Fairer Kaffeehandel

Mit der Ursprungsidee, den Kaffeehandel nachhaltiger zu machen, ging die Jungunternehmerin 2015 mit dem Produkt „selo soda“ an den Start. Hauptzutat der Limo war die rote Kaffeekirsche, die bei der Kaffeeernte keine Rolle spielt und meist im Abfall landet. Dabei ist das vermeintliche „Abfallprodukt“ genauso koffeinhaltig wie die Kaffeebohne selbst und verzeichnet außerdem hohe Antioxidationswerte. Das Konzept kam auch bei den Einzelhändlern gut an. Schnell nahmen Szene-Gastronomen aus Berlin, Hamburg oder Köln die neue faire Limo in ihr Sortiment auf. Doch dann erhielt das junge Unternehmen überraschend Post von der Gesundheitsbehörde: Die EU hatte die Kaffeekirschen in die Liste der „neuartigen Lebensmittel“ aufgenommen, für die man nach einer neuen Verordnung nun eine eigene Genehmigung beantragen musste. Da eine solche Zulassung nicht nur kostenintensiv ist, sondern auch bis zu einem Jahr dauern kann, stoppten Laura Zumbaum und ihre Mitarbeiter die Produktion.

Insolvenz umgangen

Um der Insolvenz zu entkommen, musste nun schnell eine neue Idee her. Statt die Kaffeekirsche weiter zu verwenden, griff die Unternehmerin zu einer anderen Zutat: In dem neuen Erfrischungsgetränk namens „selo green coffee“, mit dem sie Ende 2017 startete, steckt ein Extrakt aus der grünen Kaffeebohne. Der Kaffee stammt aus dem Norden Kolumbiens, wird vom Unternehmen zu fairen, nachhaltigen Bedingungen eingekauft, über den Seeweg nach Hamburg transportiert und in Niedersachsen mit weiteren natürlichen Zutaten und Quellwasser aufgegossen.

Für ihre Flexibilität könnte die selo-Gründerin, die mit ihrem Team in der Rosenthaler Straße an neuen Produkten tüftelt, im Herbst mit dem Werner-Bonhoff-Preis ausgezeichnet werden. „Das Engagement und der Unternehmergeist von Frau Zumbaum in einer unerwarteten und derart existenzbedrohlichen Situation ein Alternativprodukt, welches ebenfalls den Grundsätzen der Unternehmensphilosophie entspricht, zu entwickeln und so erfolgreich zu platzieren, ist beachtenswert“, heißt es von der Werner Bonhoff Stiftung.

Entscheidung steht bevor

Vielleicht kann das Unternehmen bis dahin auch noch ein weiteres Produkt vorweisen. Denn von ihrer Idee, die Kaffeekirsche als Lebensmittel auch in Deutschland und Europa zu etablieren, hat sich Laura Zumbaum trotz aller bürokratischen Hindernisse nicht abbringen lassen. Noch für diesen Sommer wird dann auch eine Entscheidung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) über die Zulassung der koffeinhaltigen, roten Steinfrüchte erwartet.

Datum: 30. Mai 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: Viktor Strasse – http://www.viktorstrasse.de/