Vom Pinsel zum 3D-Drucker

Weil die Firma immer mit der Zeit ging, gibt es Hruby Werbetechnik seit 100 Jahren

Das Jahr 1919 wird für die Berliner kein Leichtes. Bis weit in den März hinein kommt es zu bewaffneten Unruhen zwischen aufständischen Spartakisten und Regierungstruppen. Dennoch schöpfen viele Menschen angesichts des Kriegsendes Mut und glauben an einen nahen wirtschaftlichen Aufschwung. Wie die Brüder Karl und Zdenko Hruby.

Der gelernte Malermeister und der Kaufmann gründen im April 1919 die „Gebr. Hruby Firmenschilder-Fabrikation“ in der Gitschiner Straße 15 in Kreuzberg. Sie wollen künftig Molkerei- und Brauereiwagen, aber auch Pferdeomnibusse der Verkehrsbetriebe mittels Pinsel, Farbe und Malstock mit Werbung versehen.

Betrieb angemeldet

Die beiden haben ganz offensichtlich aufs richtige Pferd gesetzt: Mit der Beschriftung von Kutschen und Autos, elektrischer Lichtreklame und emaillierten Reklameschildern wächst das Unternehmen in den 20er-Jahren rasant. Bereits 1926 annoncieren die Hrubys als Spezialität: „Eisenbahn- und Lichtreklame“ und krönen durch ihre Leuchtkästen mit Zigarettenreklame die Berliner Telefonhäuschen. Die „Fabrik für moderne Firmenschilder“ in der Camphausenstraße floriert.

Nach der Weltwirtschaftskrise 1928 trennen sich die Wege der Brüder: Zdenko Hruby betreibt noch einige Jahre ein Geschäft für Firmenschilder in der Lichtenberger Bornitzstraße. Karl Hruby spezialisiert sich auf Automobilbeschriftung und meldet 1935 seinen Betrieb für „Schilderherstellung und Lichtreklame“ mit gut drei Dutzend Mitarbeitern in der Handwerkskammer an. In den Berliner Adress- und Telefonbüchern ist die Firma bis 1939 mit Sitz in der Lankwitzstraße aufgeführt. Wenig später wird Karl Hruby zur Wehrmacht eingezogen.

Firmeninhaber Fritz Naumann

Die Hruby-Belegschaft um 1920

Von Hruby beklebter BVG-Doppeldecker

Vorlage für eine Bulli-Beklebung in den 1950ern

Maßarbeit am Großformatdrucker

Der Messebau ist eine Stütze des Unternehmens

Den Krieg überstanden, eröffnet Karl Hruby seine Firma 1945 zunächst als Einmann-Betrieb wieder und übergab sie 1970 an Tochter und Schwiegersohn Petroniella und Peter-Rainer Nitka. Bei dem erlernte Fritz Naumann sein Handwerk. Von ihm übernahm er 2010 gemeinsam mit seiner Frau Alke die Firma.

Stetiger Wandel

Naumann kann auf eine spannende Zeit zurückblicken: „Ich habe Mitte der 80er-Jahre bei Hruby meine Ausbildung angefangen. Ich habe den Übergang von der analogen in die digitale Welt erlebt und bewusst mitgestaltet. Als ich hier anfing, haben wir Busse noch mit Hand und Schablone bemalt, heute werden nur noch Folien verklebt. Die Werbetechnik erlebt einen stetigen Wandel, das macht die Arbeit und den Alltag spannend. Neue, große Themen sind 3D und Messebau, wir haben letztens ein ganzes Ufo für einen Schuhhersteller gebaut.“

Neben der Firmenzentrale in der Köpenicker Straße unterhält Hruby Werbetechnik – die Firma hat 24 Mitarbeiter, die für Kunden aus der ganzen Welt tätig sind – einen zweiten Standort im Gewerbegebiet Marzahn impuls. In der 500-Quadratmeter-Halle steht der neueste Digitaldrucker, der bis zu fünf Meter breite Materialien verarbeitet.

Das Erfolgsgeheimnis einer Firma, die 100 Jahre alt geworden ist, beschreibt Fritz Naumann so: „Wir produzieren nicht am Band oder von der Stange. Hier ist kein Platz für Leute, die ihren Achtstundentag runterreißen, aber dafür darf sich jeder auf spannende Jobs freuen. Heute am Rechner, morgen am Drucker, übermorgen Montage. So wachsen bei dieser nie alltäglichen Arbeit Erfahrungen – und die geben die Alten an die Jungen weiter. Das ist unser Betriebskapital.“

Datum: 29. Mai 2019 Text: M. Wolf Fotos: Hruby Werbetechnik (3), Ulf Buschleb (4)