Union hat Aufstieg verdient

Eisernen aus Köpenick sind ab sofort erstklassig – auch beim Feiern

Die einen sanken nach Schlusspfiff sogleich zu Boden, um wenigstens für ein paar Sekunden diesen Moment ganz allein für sich zu haben. Andere wieder suchten flugs nach einem Spielerkollegen, um den Rausch des Glücks zu teilen. Es war ja erst mal schwer zu begreifen für die Spieler, für alle, ist aber Tatsache: Der 1. FC Union ist dank eines torlosen Unentschiedens im Rückspiel der Relegation gegen den VfB Stuttgart endlich Bundesligist. Der 56. dieser Art, nach einem Thriller, der nicht nur die 22 012 Zuschauer im Stadion an der Alten Försterei, sondern alle, die es mit den Köpenickern halten, schier um den Verstand brachte. Aber noch einmal: Union ist erstklassig.

Aufmunternde Gesänge

Man muss als Profi erst mal mit so einer Situation klarkommen. Mit der Aussicht, dass es an diesem Abend um Alles oder Nichts geht. Mit der Gewissheit, dass das womöglich nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Fans des 1. FC Union das Spiel der Spiele ist. Oder wie lässt sich das für einen Fußballspieler anders deuten, wenn die Anhänger den Mannschaftsbus beim Weg ins Stadion bereits in einen dichten rot-weißen Bengalo-Nebel tauchen, einem aus tausenden von Kehlen aufmunternde Schlachtgesänge entgegenschlagen. Bilder sind das, die man als Fußballspieler nie vergisst, die einem für den Moment aber noch einmal die Bedeutung dieser Partie vor Augen führen.

Frühe Ballverluste

Aber diese Mannschaft des 1. FC Union kann was ab, kann mit Druck umgehen. Das zeigte sich bei diesem bemerkenswerten Schlussakt im Stadion an der Alten Försterei auf eindrucksvolle Weise. Wenngleich es das Team von Trainer Urs Fischer dieses Mal mit einem VfB zu tun bekam, der offensichtlich den Ernst der Lage erkannt hatte.

Das Team des fünffachen Deutschen Meisters, bei dem die Ex-Nationalspieler Holger Badstuber und Dennis Aogo in der Startelf standen, spielte im Gegensatz zum Hinspiel, das 2:2 endete, dieses Mal Erstligafußball, ärgerte die Köpenicker mit einem Pressing, das in der Zweiten Liga in dieser Konsequenz nur von wenigen Mannschaften gewagt wird. Allerlei frühe Ballverluste hatte das aufseiten der Unioner zur Folge – und eben auch eine Reihe an brenzligen Situationen. Vorbei!

Einfach verdient

Das Wort geht an Dirk Zingler. An den Präsidenten des 1. FC Union, der unmittelbar nach dem wertvollsten 0:0 in der Geschichte seines Klubs nicht nur gerührt, sondern tief bewegt ist. Sein Klub in der Bundesliga, dank dieses Unentschiedens im Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart, schwer zu fassen in diesem Moment, für alle im Stadion, für alle in Köpenick, und natürlich auch für Zingler. „Das ist surreal“, sagt der 52-Jährige: „Ich gehe seit 40 Jahren zu diesem Verein, habe auf dieses eine Spiel gewartet. Und jetzt haben wir es gezogen. Aber jetzt muss ich gehen.“ Er ging dann doch noch nicht gleich, ergänzte: „Die Menschen hier haben es einfach verdient.“

„Ich gratuliere Union zum Aufstieg“, schrieb Michael Preetz, Herthas Geschäftsführer Sport, auf Twitter. Und weiter: „Es tut Berlin ausgesprochen gut, nun zwei Bundesligisten zu haben. Wir freuen uns auf begeisternde Derbys, die wir natürlich für uns entscheiden wollen.“ Das allerdings ist noch nicht abgemacht, Denn der kleine Berliner Klub, so schrieb die Tageszeitung „Die Welt“, hat das geschafft, was der Hertha abgeht: eine große Fußballfamilie in der Hauptstadt zu etablieren. Dass die nun – nach etlichen vergeblichen Anläufen – den lang ersehnten Aufstieg feiern kann, ist das eigentliche Fußball-Wunder.

Datum: 31. Mai 2019 Text: Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung Bild: Ulf Teichert