Wo es beim Schulneubau noch hakt

Der Bedarf an neuen Schulplätzen im Bezirk wächst weiterhin.

Der Bedarf an Schulplätzen ist auch in Mitte enorm. Laut aktueller Berechnungen fehlen bis 2030 rund 2.100 Grundschulplätze und noch einmal 1.400 Plätze an weiterführenden Schulen. Bislang wurde der Mehrbedarf dadurch ausgeglichen, dass viele Schulen über ihre eigentlichen Kapazitäten hinaus Schüler aufgenommen haben. „Für die Schulen bedeutetet dies in der Regel die Aufgabe von Teilungsräumen und Fachräumen. Auch Betreuungsräume werden in vielen Fällen doppelt genutzt“, heißt es dazu im Schulentwicklungsplan des Bezirks. Abhilfe sollen Schulneubauten schaffen. Im Bezirk sind dafür zwei neuen Grundschulen, an der Reinickendorfer Straße 60 und an der Adalbertstraße sowie zwei weiterführenden Schulen an der Pankstraße 70/Orthstraße und an der Sellerstraße 27 in Planung. An zahlreichen anderen Schulstandorten sollen Ergänzungsbauten für Entlastung sorgen. Bis die ersten Schüler die neuen Räume beziehen können, wird es aber noch einige Zeit dauern.

Einige Flächenkonflikte

Immerhin sind die beiden Grundschul-Neubaumaßnahmen laut Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) bereits in Vorbereitung. „Bestandsgebäude werden abgerissen. Baubeginn der neuen Schulgebäude wird wahrscheinlich Ende 2020/Anfang 2021 sein“, so Spallek. Bei beiden Schulen hatte es im Vorfeld Kritik an der Standortwahl gegeben. Im Falle der Schule an der Reinickendorfer Straße 60 war das benachbarte Schul-Umwelt-Zentrum in Gefahr. Nach viel Widerstand im Kiez gab das Bezirksamt bekannt, das Grundstück des Lehrzentrums unberührt lassen zu wollen. Sicher weichen muss das Gebäude des ehemaligen Hauses der Gesundheit, das seit Monaten leer steht. An der Adalbertstraße 53 kämpfen die Mitglieder des Tennisclubs Mitte seit knapp zwei Jahren um den Erhalt ihre Trainingsplätze. Für reichlich Zündstoff sorgt nach wie vor die Idee, auf dem Grundstück des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums an der Puttbusser Straße eine neue Schule zu errichten. Hier plant die Initiative ps wedding eigentlich ein interkulturelles Nachbarschaftsprojekt.

Erste Maßnahmen

Trotz aller Konflikte, gibt es auch erste Erfolge im Bezirk zu verzeichnen. Vielerorts wird bereits an Ergänzungsbauten und Containern gearbeitet, die zusätzlichen Platz schaffen sollen. Der Umbau der Charlotte-Pfeffer-Schule zum Förderzentrum „Geistige Entwicklung“ läuft bereits. Eigentlich fertiggestellt ist die neue Schule an der Chausseestraße. Schüler sind auf dem Grundstück unweit des Bundesnachrichtendienstes aber noch nicht zu sehen. Grund ist ein Wasserschaden, der zu erheblichem Reparaturbedarf geführt hat. Dieser wird laut Spallek derzeit behoben. „Es liegt eine Zusage der Baufirma vor, dass die Arbeiten pünktlich zum Start des neuen Schuljahres abgeschlossen werden.“

Moderne Bauweise

Die neuen Grundschulen im Bezirk sollen wie alle anderen geplanten Schulneubauten in Berlin mit einem modernen Raumkonzept als „Typenbau“ entstehen. Der Siegerentwurf des Architektenbüros Bruno Fioretti Marquez sieht eine „modulare Bauweise“ vor, also die Verwendung industriell vorgefertigter Teile, die sich günstiger und schneller realisieren lassen.

Datum: 31. Mai 2019, Text: Katja Reichgardt, Visualisierungen: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin