Der Botanische Garten wartet auf Millionen

Neues Besucherzentrum entsteht / Sanierungsbedarf liegt bei 174 Millionen Euro.

Teile des Botanischen Gartens sind jetzt zur Baustelle geworden. Am Haupteingang wird ein neues Besucherzentrum errichtet. Außerdem wurde die Hauptallee aufgerissen. Dort saniert Vattenfall eine  Fernwärmeleitung. Aus diesem Grund musste der Haupteingang gesperrt werden. Besucher können über das Botanische Museum in den Garten gelangen. Ein barrierefreier Zugang ist am Eingang Unter den Eichen gegeben.

Das Besucherzentrum ist Teil eines Gesamtprojekts, für das Fördermittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) in Höhe von 14 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Vorgesehen ist der Umbau des kompletten Eingangsbereichs. Dazu zählen auch die Kassen, das Bistro sowie die Außenanlagen. Mit der offiziellem Eröffnung des Besucherzentrums wird im Jahr 2022 gerechnet.

Bauarbeiten gestartet

Doch mit den nunmehr laufenden Arbeiten ist es bei Weitem nicht getan. Rund 174 Millionen Euro sind für die bauliche Sanierung des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums erforderlich. Zu diesem Ergebnis kommt ein 2018 erstelltes Gutachten im Auftrag der Freien Universität Berlin. Für die Schätzung des mittelfristigen Gesamtinvestitions-Bedarfs hat ein Ingenieursbüro die gesamte Einrichtung begutachtet.

Zuvor war für alle Berliner Hochschulen ein Sanierungs- und Investitionsbedarf von 3,2 Milliarden Euro ausgewiesen worden. Hiervon entfallen etwa 30 Prozent allein auf die Freie Universität, für die damit einschließlich der Gelder für den Botanischen Garten ein Gesamtsanierungsbedarf in Höhe von 1,3 Milliarden Euro besteht.

Moderne Standards

Die Schaugewächshäuser haben den größten Investitionsbedarf, heißt es von der Leitung des Botanischen Gartens. Es handelt sich um ein 15 Gewächshäuser umfassendes Ensemble, in dessen Zentrum das Große Tropenhaus bis 2009 bereits denkmalschutzgerecht und energetisch grundsaniert und das Victoriahaus im Sommer des Jahres 2018 nach modernen Standards wiedereröffnet wurden. Die übrigen Teile des Ensembles müssen noch saniert werden. Das Mittelmeerhaus zeigt starke Korrosionsschäden am Stahltragwerk und sehr starke Schäden an den Stehwandfenstern aus Holz. Im Jahr 2018 drohten die Lüftungsflügel des Mittelschiffes herabzustürzen und für Besucher und Beschäftigte gefährlich zu werden.

„In einer Notbaumaßnahme der Technischen Abteilung der Freien Universität Berlin wird die akute Gefahr gegenwärtig beseitigt“, wurde zuletzt mitgeteilt. Aus Sicherheitsgründen muss das Mittelmeerhaus ab einer Windstärke acht geschlossen werden. Rund 18 Millionen Euro seien für die denkmalschutzgerechte und energetische Sanierung des Mittelmeerhauses erforderlich.

Undichte Verglasung

Fast ebenso marode sind laut einer Mitteilung der Leitung der Einrichtung die bis 1909 gebauten Schaugewächshäuser wie das Aronstab-Gewächshaus (Haus B), das Tropische Nutzpflanzenhaus (Haus C) und das Farnhaus (Haus F). Die außenliegenden genieteten Stahl-Traggerüste zeigen zunehmende Korrosionsschäden. Die Verglasung ist undicht, und der Energieverbrauch ist hoch.

Wann diese und weitere Mängel beseitigt werden, ist unklar. Für die bauliche Unterhaltung des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums, die seit dem Jahr 1995 zur Freien Universität Berlin gehören, stehen pro Jahr 2.6 Millionen Euro zur Verfügung. Die Leitung spricht sich für eine „bedarfsgerechte Anpassung“ dieses Zuschusses aus.

Datum: 5. Juni 2019. Text: Redaktion. Bild: Bernd Wannenmacher/FU Berlin.