Lichtenberg lässt seine Blumen blühen

Grünflächen im Bezirk sollen insektenfreundlicher werden.

Jetzt holt sich Lichtenberg sein Stückchen Natur zurück. 73.400 Bäume, 70 kleinere und größere Parks sowie 50 Seen und Teiche gibt es im Bezirk. Aber längst nicht überall, wo es wächst und gedeiht, sind die Bedingungen gut genug, damit sich die Natur ungehindert entwickeln kann. Insbesondere Insektenpopulationen leiden unter mangelnder Pflanzenvielfalt auf den Grünflächen im öffentlichen Land. Das hat auch Konsequenzen für andere Tiere: Weniger Insekten heißt auch weniger Nahrung für Nager und Vögel.

In eher ländlichen Regionen sind Monokultur-Flächen ohne Blühpflanzen, fehlende Strukturen in der Landschaft sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Hauptgründe für den Rückgang vieler Arten. Ausgerechnet städtische Grünflächen könnten deshalb zunehmend Rückzugsorte für viele Arten von Pflanzen, Tieren und Insekten werden. Hier gibt es viele kleine grünen Inseln mit geschützten Grünflächen, auf denen sich eine größere Pflanzen- und Artenvielfalt entwickeln kann.

Parks, Gärten, Friedhöfe oder begrünte Dachterrassen und Balkone sorgen inzwischen dafür, dass sich hier viele Insekten, Vögel und Tiere besonders wohlfühlen. „Damit das so bleibt, müssen diese Flächen auch fachgerecht gepflegt und weiter entwickelt werden“, bestätigt Biologin Beate Kitzmann die neue Herausforderung an die städtische Landschaftspflege. „Auch die Revierleiter unseres Grünflächenamtes haben großes Interesse daran, die vorhandenen Flächen nachhaltig zu gestalten, damit Insekten und Kleintiere hier wieder zahlreicher Unterschlupf finden“, sagt Kitzmann. Grundsätzlich müsse dafür die Mischung der Gräser und Pflanzen geändert werden. Dazu brauche man auch entsprechende Mähtechniken und längere Pausen zwischen den Mähzyklen, damit Gräser auswachsen und auch zur Blüte kommen können „Vor allem muss nach jedem Mähen das geschnittene Pflanzenmaterial eine Zeit lang liegen bleiben. Die im gemähten Heu lebenden Insekten können sich so auf der Wiese neue Refugien suchen und werden nicht einfach mit dem geschnittenen Gras abtransportiert“, erklärt die Biologin, die seit Jahren den Naturhof Malchow leitet.

Insektenfreundliche Behandlung

Dieses Vorgehen bedeute aber auch doppelten Arbeitsaufwand, da die Gärtner für den Beschnitt der Flächen gleich zweimal im selben Revier arbeiten müssen. „Die Wirkung dieser Verfahrens wird nicht sofort eintreten und kann sich nur langfristig entfalten. Während früher in den Sommermonaten vier bis fünfmal gemäht wurde, wollen wir in Zukunft auf ausgewählten Grünflächen höchstens noch zweimal pro Saison das Gras mähen“, erläutert der für Grünflächen zuständige Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU). 13 Flächen hat das Bezirksamt für diese besonders insektenfreundliche Behandlung ausgewählt Im Süden sind es Reviere in Karlshorst, an der Fischerstraße und am Rummelsburger See. In der Mitte des Bezirks werden Bereiche im Landschaftspark Herzberge sowie auf den Friedhöfen Gotlindestraße und der Rudolf-Reusch-Straße in das Sonderprogramm aufgenommen und im grünen Hohenschönhausen gehören Teile des Landschaftsparks Wartenberg und Falkenberg sowie Teile vom Gehrenseepark, dem Wustrower Park und einem Grünstreifen in den Krugwiesen zum Aktionsgebiet. „Dort wird das Gras also ungewohnt hoch wachsen“, sagt Nünthel, der den Vorbildcharakter des Projektes betont. Weitere Fragen beantwortet das Naturschutzbüro Lichtenberg.

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Datum 9. Juni 2019, Text: Stefan Bartylla, Bild: Thinkstock/ Getty Images / Miriam-doerr