Viele Autos – wenig Platz in Marzahn-Hellersdorf

Mit noch mehr Wohnungen wachsen auch die Probleme im Bezirk

In allen Marzahn-Hellersdorfer Ortsteilen wird derzeit gebaut: 175 Wohnungen entstehen in der Eichhorster Straße, jeweils 300 Wohnungen sind in der südlichen Ringelnatz-Siedlung, an der Louis-Lewin Straße, an der Weißenhöher Straße und an der Lion-Feuchtwanger Straße geplant. Eine aktuelle Übersicht aus dem Bezirksamt listet allein 19 größere Bauprojekte mit insgesamt 4.317 Wohnungen, die seit dem Jahr 2016 eine Baugenehmigung erhalten haben. „Mit dem wachsenden Bezirk werden wir auch neue Aufgabenstellungen und Herausforderungen im Straßenverkehr zu bewältigen haben“, stellt Alexander Hermann, der Fraktionsvorsitzende der Marzahn-Hellersdorfer CDU angesichts dieser Zahlen fest.

Wegeführungen mitplanen

„Natürlich ist es zeitgemäß, wenn ein riesiges Bauprojekt wie das der Gesobau auf dem Gut Hellersdorf möglichst autofrei konzipiert wird. Aber zu glauben, dass alle Bewohner deshalb für ihre Wege in die City auf ihr Auto verzichten können, ist illusorisch“, lautet seine Ansicht. Lastenfahrräder, Car-Sharing sowie ÖPNV-Angebote seien zwar für wachsende Bedarfe in Planung – für viele neue Bewohner in den Kiezen bleibe aber die Nutzung des eigenen Autos auch in naher Zukunft alternativlos. Die Gesobau plant für das Gut Hellersdorf mit seinen rund 1.250 Wohnungen zwei Parkhäuser ein. Eines soll am Kastanienboulevard und das andere an der Zossener Straße platziert werden. Aber selbst dieses Eingeständnis an die Bedarfe des Individualverkehr sei zu kurz gedacht, meint Herrmann. „Wir müssen auch neue Routenführungen planen und mit den Bauherren darüber sprechen, damit die bereits vorhandenen Nachbarn von den An- und Abfahrten zu diesen Parkhäusern entlastet bleiben“, lautet die Forderung des Fraktionsvorsitzenden. Schon mit der Einrichtung der Großbaustelle selbst seien Parkplatz-Probleme vorprogrammiert. „Wenn Handwerker und Baufirmen mit ihrer Arbeit hier großflächig beginnen, werden bereits zahlreiche Parkplätze für Maschinen und Transporter benötigt“, warnt Herrmann. Die CDU fordert nun gekennzeichnete Stellplätze für Bau- und Handwerkerfahrzeuge an den Hauptverkehrsstraßen außerhalb der vorhandenen Wohnkieze. Ein Antrag, dem die Fraktionen der SPD und der Linken gerne folgen wollen. Allein die AFD will die Optionen noch einmal im Fachausschuss prüfen lassen. „Wir müssen auch an anderen Stellen die neuen Situationen ganzheitlicher denken und drohende Verkehrsprobleme frühzeitig lösen“, lautet Herrmanns Einschätzung auch hinsichtlich anderer Parkplatzsituationen im Bezirk. Nachdem nun auch klar sei, dass auf der Fläche der ehemaligen IGA-Blumenhallen wohl kein neues Parkhaus entstehen werde, müsse auch nach Alternativen in der Nähe gesucht werden. „Wir dürfen die Wohngebiete nicht mit Parkverkehr durch Touristen belasten“, lautet auch die Ansicht der CDU-Stadträtin Nadja Zivkovic. Entgegen der Haltung der Fraktion der Linken will sie sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Parkplätze am ehemaligen IGA-Gelände gebührenfrei bleiben.

Verdrängung befürchtet

„Die Touristen werden in den Wohngebieten nach Stellplätzen suchen“, sagt Zivkovic. Das könne das Ordnungsamt mit Verhängung von Bußgeldern vermeiden, findet Björn Tielebein, der Vorsitzende der Linken in der BVV. „Bloß mit welchem Personal? Wir haben derzeit gar nicht genügend Leute, um solche Aufgabe zu erfüllen“, entgegnet wiederum Alexander Herrmann einer solchen Option mit einem bereits allzu gut bekannten Argument.

Datum: 9. Juni 2019, Text: Stefan Bartylla, Bild: Stefan Bartylla