Häuser, die keiner mehr kennt

Die Linke kritisiert den jahrelangen Leerstand vieler Immobilien im Bezirk.

Das verfallene Wohnhaus an der Ecke Hindenburgdamm/Gardeschützenweg ist wohl das krasseste, aber keinesfalls das einzige Beispiel: In Steglitz-Zehlendorf grassiert der Immobilienleerstand. Bis Ende März dieses Jahres hat das Bezirksamt 366 Verfahren wegen ungenutzter Wohnungen eingeleitet.

„In Zeiten von akuter Wohnungsnot, fehlenden Gewerbeflächen und Räumlichkeiten für soziale Infrastruktur, ist es auch in Steglitz-Zehlendorf nicht länger hinnehmbar, dass Immobilien über Jahre ungenutzt leerstehen und verfallen“, so die Abgeordnete Franziska Brychcy. „Das Berliner Abgeordnetenhaus muss das Wohnungsaufsichtsgesetz zeitnah weiter verschärfen, sodass unter anderem höhere Bußgelder bei Leerstand verhängt werden können, die den Spekulanten finanziell richtig wehtun.“

Barbara von Boroviczeny von der Initiative „MieterInnen Südwest“, die sich an einer von der Linke-Fraktion initiierten Radtour entlang mehrerer leerstehender Immobilien beteiligte, sagte: „Wir wünschen uns von der Bezirksverwaltung den Erhalt und Schutz bezahlbarer Wohnungen im Bezirk.

Dazu gehöre mehr kreatives Engagement gegen rein gewinnorientierte Investoreninteressen und mehr Empathie für die nicht zu den Besserverdienenden gehörenden Einwohner von Steglitz-Zehlendorf. Andere Bezirke machen das vor.“ Dazu könne beitragen, den Bürgern zuzuhören.

Die Tour führte von der Waltraudstraße 45 in Zehlendorf (72 Wohnungen, 85 Prozent Leerstand) bis zum besagten „Geisterhaus“ am Gardeschützenweg 3, das seit 20 Jahren verfällt. Einen Zwischenstopp legte die Gruppe an der Schmarjestraße 14 ein. Das Gebäude wird seit 2012 nicht genutzt.

Datum: 21. Juli 2019 Text: Nils Michaelis Bild: Fraktion Die Linke