Lotte Laserstein: Intimität, Wärme und Sinnlichkeit

Nur noch bis 12. August zeigt die Berlinische Galerie Werke der Berliner Malerin

Wiederentdeckungen von Künstlern, deren Karrieren in den Wirren des 20. Jahrhunderts, einer Epoche der Extreme, oft brutal beendet wurden – in einer Zeit der Wiederkehr des Realismus, sind gerade in Mode. Zurecht war jahrzehntelang die Abkehr von feudaler Repräsentation, konventionellen Schönheitsbegriffen und klassischem Realismus legitim.

Die Kunst einer neuen Gesellschaftsordnung wollte und brauchte Experimente und neue Sichtweisen. Nun entdeckt die Kunstwelt, dass der Kontrast von Form und Formlosigkeit, von Gegenständlichkeit und konzeptioneller Symbolik die Wahrnehmung erweitern und bereichern kann.

Lotte Laserstein hatte das Talent, zwei Universen zu verbinden. Sie spielte mit Zitaten aus der Kunstgeschichte ebenso wie mit der Flächigkeit und dem Pinselstrich des Spätimpressionismus. Ihr Lebenswerk wird dominiert von Menschenbildern, von Intimität, Wärme und Sinnlichkeit. Sie idealisierte ihre Modelle nie, sie gab ihnen Würde und intensive Präsenz, bekleidet oder nackt.

Laserstein war eine sanft-gefühlvolle Chronistin der 1920er und 30er-Jahre: Sie malte Frauen und Männer der neuen Zeit und aller Klassen in ihrer ganzen Natürlichkeit. Sie setzte sich bildnerisch über damalige Vorstellungen von Geschlechterrollen hinweg. Die vom Frankfurter Städel Museum kuratierte Schau „Von Angesicht zu Angesicht“ präsentiert 58 Werke, darunter 48 Gemälde, neun Zeichnungen und Dokumente Lasersteins aus ihrer Berliner Erfolgsperiode und ihren schwedischen Exiljahren.

Die Berlinische Galerie ergänzt diese Ausstellung mit Porträts, Landschaftsbildern, Spätwerken und Bildern aus Lasersteins künstlerischem Umfeld der 1920er- und 1930er-Jahre.

Datum: 22. Juli 2019 Text: Redaktion Bild: Städel Museum – Arthotek/VG Kunst, Bonn 2019