Berlin-Kreuzberg: Sperrzeit für den Görlitzer Park?

Der Senat erwägt nächtliche Schließung – Monika Herrmann ist dagegen.

Um der Drogenkriminalität im Görlitzer Park Herr zu werden, gibt es immer wieder neue Ideen: Null-Toleranz-Strategie, markierte Zonen für Dealer, mobile Imbissbuden an den Eingängen. Der neueste Vorschlag stammt aus der Senatsverwaltung für Inneres und Sport: Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) hat sich für eine nächtliche Schließung des Görlitzer Parks ausgesprochen.

Vorbild Tempelhof

Er hoffe, auf diese Weise dem Drogenhandel und der Gewaltkriminalität zu begegnen. „Das wäre eine gute Lösung, die man erwägen muss“, sagte er laut Berliner Zeitung am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Dazu müssen eine bessere Umzäunung installiert und die Eingänge mit Türen versehen werden. Vorbild könne laut Akmann das Tempelhofer Feld sein, dessen Eingänge ab 22 Uhr geschlossen werden. Dort habe man gute Erfahrungen gemacht. Akmann folgt mit seinem Vorschlag einer Empfehlung der Polizisten vor Ort. Abends würden im Görlitzer Park die meisten Straftaten verübt. Durch eine Schließung gäbe es weniger Tatgelegenheiten. Akmann räumt aber auch ein: „Natürlich haben wir dann das Problem der Verdrängung.“ Es bestehe die Gefahr, dass der Rauschgifthandel noch stärker in die umliegenden Straßen, in den Wrangelkiez und in Richtung RAW-Gelände in Friedrichshain verlagert werde. Darüber müsse man sich keine Illusionen machen. Bei der Entscheidung müsse auch der Bezirk einbezogen werden.

Keine neue Idee

Darauf besteht Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Die Grünen) allemal. „Dieser Vorschlag war vorab nicht mit dem Bezirksamt besprochen oder abgestimmt“, zeigte sie sich in einer Stellungnahme zu Akmanns Vorstoß überrascht. Da es sich beim Görlitzer Park um eine Grünfläche handelt, die in der Zuständigkeit des Straßen- und Grünflächenamtes des Bezirks liegt, ist dessen Einstellung dazu nicht uninteressant. Dieser Vorschlag sei nicht neu, sagt Herrmann. Er wurde bei Anwohnerversammlungen in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert. Bisher aber habe es in der Nachbarschaft dafür keine Akzeptanz gegeben.

Problem wird verlagert

„Eine nächtliche Schließung des Görlitzer Parks würde das Problem des Drogenhandels nicht lösen, sondern nun verlagern. Bereits jetzt wird auf den Straßen des Wrangelkiezes, am Görlitzer Bahnhof und auch im Schlesischen Busch in Treptow gedealt“, so die Bürgermeisterin. Der Drogenhandel an diesen Orten würde sich im Falle einer nächtlichen Parkschließung weiter verstärken. Die Anwohner aus den Kiezen rund um den Görlitzer Park würden von einer Schließung also nicht profitieren. „Ich lade den Staatssekretär und den Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick gern ein, um sich gemeinsam mit uns über die Problematik des Drogenhandels in Teilen Kreuzbergs und Treptows auszutauschen. Hier kommen wir nur voran, wenn alle beteiligten Verwaltungen zusammenarbeiten. Wichtig ist dabei vor allem das Kriminalitätsbekämpfungskonzept der Polizei. Unabgesprochene Vorschläge bringen die einzelnen Behörden und die betroffenen Bürger nicht weiter“, erklärt Herrmann.

Datum: 15. August 2019, Text: red/sara, Bild: Getty Images Plus/iStock/hanohik