Berlin-Prenzlauer Berg: Stadionneubau ohne Plan

Teile des Mauerparks wie Amphitheater oder Hinterlandmauer betroffen

Die VSG Altglienicke darf in dieser Saison auf dem immer noch erstklassigen Rasen des großen Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark seine Heimspiele in der Regionalliga Nordost austragen. Aber es wird ein Abschied. Nicht nur, weil sich die Altglienicker in Baumschulenweg ein eigenes Schmuckkästchen bauen wollen, sondern weil spätestens im Juli kommenden Jahres hier im Prenzlauer Bergder Abrisshammer geschwungen wird (das Berliner Abendblatt berichtete).

Barrierefreies Stadion

Zuletzt hatte ein Kabelbrand die historischen Flutlichtmasten außer Betrieb gesetzt, zwischenzeitlich stand eine weitere Betriebsgenehmigung in Frage. Zum Frühsommer 2023, wenn vom 16. bis zum 25. Juni die Special Olympics in Berlin gastieren, soll ein völlig neues, barrierefreies Stadion bereit stehen. Um den Jahnsportpark für das Sportereignis fit zu machen, wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Knapp 135 Millionen Euro soll das neue Stadion kosten. Doch dafür ist nur eine Minimal-Variante zu haben. Von der ursprünglich geplanten Zuschauerkapazität von 30.000 sind die Planer auf 20.000 heruntergegangen. Möglich wurde das, weil Sportsenator Andreas Geisel (SPD) sich voriges Jahr darauf festlegte, das Olympiastadion mit der charakteristischen blauen Laufbahn als Leichtathletikstadion zu erhalten – so darf der neue Jahnsportpark eine Nummer kleiner ausfallen.

Doppelstöckige Sporthalle

Doch bei dem Ausbau zum barrierefreien Stadion soll es ohnehin nicht bleiben. Eine vom Senat beauftragte Machbarkeitsstudie beschäftigt sich mit den Sportflächen im Umfeld. Die Studie schlägt weitere Beachfelder vor, aber etwa auch einen Fitnessparcours und Laufstrecken außerhalb der Stadien.

Der größte Eingriff wäre aber eine doppelstöckige Sporthalle mit je drei Spielfeldern sowie Gymnastik- und Mehrzweckräumen, die auch von Schulen und Kitas genutzt werden können. Inzwischen hat auch Basketballbundesligist Alba Berlin Interesse bekundet, mit seiner Zentrale in einen Neubau zu ziehen. Auch diese Anlagen sollen sämtlich barrierefrei sein.

Keine Konflikte.

Berlins Sportverwaltung steht offensichtlich mächtig unter Zeitdruck, um das neue Stadion tatsächlich bis 2023 zur Verfügung stellen zu können. Wohl deshalb wird der Stadionneubau als eine Art Ersatzbau eingestuft, um sich ein langwieriges Bebauungsplanverfahren zu ersparen.

Auf eine entsprechende schriftliche Anfrage des Linken-Abgeordneten Michael Nelken antwortete Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzky: „Das Vorhaben, ein neues Stadion als Ersatzbau zu errichten, beschränkt sich auf den Abriss und den Neubau des Stadions in den vorhandenen Dimensionen, wie der Zuschauerzahl von 20.000. Städtebaulich wird eingeschätzt, dass es keine Konflikte geben kann, da die bestehenden Parameter des Stadions auch beim Neubau grundsätzlich eingehalten werden.“

Was in dieser Antwort nicht steht: Für Neubau und Fluchtwege müsste der Wall östlich der unter Denkmalschutz stehenden Hinterlandmauer abgetragen werden. Damit wäre nicht nur das weltberühmte Mauerstück, sondern auch das Amphitheater für das Mauerpark-Karaoke bedroht. Michael Nelken verlangt deshalb eine komplette Neuplanung, die die Auswirkungen auch auf den Mauerpark berücksichtigt.

Datum: 15. August 2019 Text: Redaktion Bild: imago images/Schöning sportconcept