Matthias Müller finanzierte und baute das neue Duschmobil in Eigeninitiative

Berlin-Mitte – ein Duschbus für obdachlose Frauen im Einsatz

Duschbus

Matthias Müller baute das neue Duschmobil in Eigeninitiative.

Seit der vergangenen Woche ist die Berliner Wohnungslosenhilfe um eine echte Innovation reicher, die speziell obdachlosen Frauen helfen kann: Das erste Duschmobil Deutschlands fährt nämlich nun in Berlin! Inspiriert vom Pariser Vorbild MOBIL’douche, das obdachlosen Menschen seit zehn Jahren an verschiedenen Orten der Seine-Metropole eine ganz private Duschzeit ermöglicht, übergab Sponsor und Konstrukteur Matthias Müller nun seine eigenhändig zum Duschmobil umgebaute Bus-Variante an den Sozialdienst katholischer Frauen e.V.

Treffpunkt für Frauen

„Mir ging es darum, gerade den meist wenig sichtbaren obdachlosen Frauen Berlins eine würdevolle Hygiene mit Wohlfühlmomenten zu ermöglichen“, erklärt der engagierte Tüftler, der im Berufsleben als Inhaber der M. M. GmbH Berufskleidung unter dem Label Workerfashion vertreibt. Selber fahren möchte Matthias Müller den Duschbus aber nicht. Das Projekt solle schließlich nicht nur eine Waschmöglichkeit für obdachlose Frauen darstellen, sondern auch der Kontaktaufnahme dienen. „Das müssen Profis machen, die den Zugang zu den Frauen haben“, so Müller, der hofft, dass das Duschmobil ein Treffpunkt für die Frauen wird.

Einweihung und Übergabe des Duschmobils mit Matthias Müller.    Foto: Stefanie Loos

Saubere, helle Ausstattung

Zusätzlich zur technisch wie optisch raffinierten Ausstattung mit Glasdach, die einen angenehmen Aufenthalt in der geräumigen Nasszelle verspricht, liegen frische Wechselwäsche sowie Shampoo, Cremes und Handtücher für die künftigen Besucherinnen bereit, die hier zu einer würdevollen, ganz persönlichen Auszeit im vier Quadratmeter großen, hell gestalteten Duschraum geladen sind. Dank eines 75-Liter-Tanks können sich pro Tag fünf Personen in dem Duschwagen waschen, eine Heizung sorgt für Warmwasser, Solarzellen auf dem Dach versorgen den Bus mit Strom. Bis zu 90 Minuten Zeit können sich die Frauen jeweils pro Durchgang gönnen.

„Entspannung und Aufbruch beschreibt die Atmosphäre, die wir uns für die Nutzerinnen des Duschmobils wünschen“, formuliert Elke Ihrlich als Bereichsleiterin der Offenen Sozialarbeit beim SkF die primäre Zielsetzung des Projekts. Der Duschbus fahre zwar irgendwie Extratouren, sei aber explizit auf Kooperationen mit verwandten Projekten ausgerichtet, die den schätzungsweise 3.000 obdachlosen Frauen in dieser Stadt helfen können. Zwei Sozialarbeiterinnen des Sozialdienstes sollen an fünf Tagen pro Woche mit dem Bus unterwegs sein.

Die kalkulierten Kosten dafür betragen 80.000 bis 100.000 Euro im Jahr. Gespräche zur Finanzierung durch den Senat laufen derzeit. „Das Projekt ist politisch gewollt. Wir werden weiter um Gelder werben“, verspricht Ursula Snay, die Öffentlichkeitsarbeiterin beim SkF. Eine Anschubfinanzierung über 40.000 Euro hat es bereits vom Bezirksamt Mitte gegeben. „Damit sind die beiden Stellen der Sozialarbeiterinnen bis zum Jahresende finanziert“, erklärt Snay, die das finanzielle und auch persönliche Engagement von Matthias Müller noch einmal besonders unterstreicht. „Wir brauchen viel mehr Initiatoren, die für solch großartigen Projekte mit eigenem Herzblut einstehe“, lobt sie.

Über Facebook und Instagram werden die Standorte des Duschmobils in täglichen Updates bekannt gegeben – feste Routen sind bereits angedacht.

0151 14648756

www.Duschmobil.de

Datum: 29. August 2019, Bild: Stefanie Loos, Text: Red, Stefan Bartylla

Matthias Müller finanzierte und baute das neue Duschmobil in Eigeninitiative