Berlin-Kreuzberg: Neustart für das Postscheckamt

Degewo und Art-Invest Real Estate sind neue Käufer: Wohnen und Gewerbe geplant.

Das Wohnungsbauunternehmen Degewo und der Immobilieninvestor Art-Invest Real Estate haben das unter dem Namen „Postscheckamt“ bekannte Bürohochhaus sowie fünf benachbarte Grundstücke am Halleschen Ufer erworben. Für die gemeinsamen Pläne eines neuen urbanen Quartiers mit Wohnen und Arbeiten rund um den ehemaligen Verwaltungsstandort inklusive Nutzung des alten Bürogebäudes hat das Bezirksparlament (BVV) jetzt grünes Licht gegeben.

Kleiner Rückblick

Die Neuentwicklung des Areals hatte im vergangenen Jahr zu einem heftigen Streit zwischen Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) und dem damaligen Eigentümer Christoph Gröner von der CG-Gruppe geführt. Schmidt waren Gröners Pläne zu wenig sozial. Zu wenig sozialer Wohnraum, zu hohe Preise. Schmidt bremste das Projekt aus. Nach öffentlichen Anfeindungen (sogar bis in die Talkshow Maischberger hatten es die Streithähne geschafft) verkaufte Gröner unerwartet das Gebäude.

Bezahlbare Mieten

Das insgesamt 35.600 Quadratmeter große Areal am Halleschen Ufer 60 besteht aus mehreren Teilflächen, von denen die nördlich gelegenen Baufelder von der Degewo entwickelt werden sollen. Das Wohnungsbauunternehmen beabsichtigt, in dieser zentralen Innenstadtlage rund 320 Wohnungen zu errichten. Den Planungen zufolge werden rund zwei Drittel dieser Wohnungen als geförderter Wohnraum mit bezahlbaren Mieten angeboten. Das landeseigene Wohnungsbauunternehmen will so der angespannten Situation auf dem Kreuzberger Wohnungsmarkt entgegenwirken.

Degewo-Vorstand Christoph Beck erklärt: „Mit dem Beschluss der BVV, das Bebauungsplanverfahren auf Grundlage des neuen, mit dem Bezirk abgestimmten Nutzungskonzeptes fortzuführen, ist nun die nächste, sehr wichtige Beteiligungsstufe für Behörden und die Öffentlichkeit eingeleitet. Wir freuen uns, nun die nächsten Schritte umsetzen zu können, um in innerstädtischer Lage neuen bezahlbaren kommunalen Wohnraum zu schaffen.“

Gewerbe und Nahversorgung

Die südlich gelegenen Baufelder sowie das bestehende Hochhaus werden von der Art-Invest Real Estate übernommen. Die mit dem Bezirksamt vorabgestimmte Entwicklung für das Areal gegenüber der Hochbahn der U1 sieht eine rein gewerbliche Nutzung des Bürohochhauses sowie der angrenzenden Grundstücksteile vor. Damit hat das Unternehmen die Möglichkeit, an diesem markanten Standort insgesamt bis zu 64.000 Quadratmeter Gewerbeflächen zu schaffen beziehungsweise zu sanieren.

Auf den Flächen sollen Start-ups und klassische Büronutzer Raum finden, während sich das Erdgeschoss mit Café- und Lobbyflächen für die Nachbarschaft öffnet. Auch ein Supermarkt und weitere Geschäfte für die Nahversorgung der Anwohner sind geplant. Ergänzt wird dieses Angebot durch 50 frei finanzierte Wohnungen, die von Art-Invest Real Estate realisiert werden. In der Verantwortung der Degewo soll auch ein Kindergarten entstehen.

Datum: 31. August 2019, Text: Sara Klinke, Bild: Stefan Bartylla