Zu wenig Spielplätze in Tempelhof-Schöneberg

Verwaltung bleibt hinter Vorgaben zurück – viele Spielplätze im Berliner Südwesten sind gesperrt.

Im Vergleich zu anderen Bezirken ist Tempelhof-Schöneberg nicht besonders gut mit Spielplätzen versorgt. Derzeit verfügt der Bezirk über 159 öffentliche Spielflächen, eine weitere soll bis Ende dieses Jahres errichtet werden. Pro Einwohner stehen 0,57 Quadratmeter zur Verfügung. Der Pro-Kopf-Anteil fällt nur in Marzahn-Hellersdorf (0,45) und Charlottenburg-Wilmersdorf (0,47) niedriger aus. Der Berliner Durchschnittswert liegt bei 0,6. Das geht aus der Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Maik Penn (CDU) durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hervor.

Raum wird knapp

Das schlechte Abschneiden Tempelhof-Schönebergs zeigt, dass der Raum für Spielplätze hier wie in ganz Berlin zunehmend knapp wird. Immer mehr Menschen ziehen in die Hauptstadt. Das hat zur Folge, dass freie Flächen zunehmend für den Bau neuer Wohn- und Bürohäuser beansprucht und neue Spielplätze kaum noch errichtet werden. Berlin hat sich als einziges Bundesland per Gesetz dazu verpflichtet, mindestens einen Quadratmeter Spielfläche pro Kopf zur Verfügung zu stellen. Anfang der 90er-Jahre lag der Wert im Westteil der Stadt noch bei durchschnittlich 1,3 Quadratmetern. Im Jahr 2000 wurde der Bedarf zu 8o Prozent erreicht. Seitdem verschwanden etliche freie Flächen.

Letzte Zuflucht

„Vor allem in den verdichteten Innenstadtbezirken ist die Lage prekär“, so Claudia Neumann vom Deutschen Kinderhilfswerk im ZDF. „In Zeiten des zunehmenden Wohnungsneubaus müssen wir schauen, dass noch Platz für die Kinder bleibt.“ Spielplätze seien oftmals die letzten Refugien für Kinderspiele. Vielerorts läuft die Verwaltung der Entwicklung hinterher. „In Tempelhof-Schöneberg fehlen 141.175 Quadratmeter Nettospielfläche“, heißt es aus dem Bezirksamt.

Investoren in der Pflicht

Die Spielplatzversorgung wird obendrein dadurch beeinträchtigt, dass nicht jeder gelistete Spielort auch tatsächlich zur Verfügung steht. Zum Zeitpunkt der Anfrage waren zwölf Spielanlagen in Tempelhof-Schöneberg gesperrt. Der Spielplatz am Franziusweg etwa wird derzeit komplett saniert und öffnet erst wieder im Sommer 2020. Gründe für die vielen Sperrungen sind neben Sanierungsarbeiten auch Verschleiß und Vandalismus. Sollte man Bauherren generell dazu verpflichten, neben Gebäuden auch Spielflächen zu errichten? Eine Gesetzesgrundlage gibt es dafür zwar nicht, aber das Bezirksamt strebt an, im Rahmen der Bauleitplanung und im Zuge von Neubauvorhaben die resultierenden Bedarfe an Spielflächen nachzuweisen beziehungsweise von Investoren die Herstellung entsprechender Angebote einzufordern.

Lichtenberg und andere Bezirke setzen zudem auf städtebauliche Verträge. Penn sieht nicht nur bei Spielflächen, sondern auch bei Kita- und Schulplätzen sowie vielen anderen Bereichen der Infrastruktur Optimierungsbedarf. Um die entsprechenden Angebote besser mitwachsen zu lassen, müsse die gesamtstädtische Steuerung verbessert werden. Mit Blick auf den bundesweiten Trend kritisiert das Deutsche Kinderhilfswerk, dass etliche private Eigentümer von Mehrfamilienhäusern ihrer Pflicht zur Schaffung von Spielgelegenheiten nicht mehr in dem Maße nachkommen, wie vom Gesetz eigentlich vorgesehen.

Datum: 2. September 2019, Text: Sara Klinke, Bild: Getty Images Plus/iStock/jgaunion