Berlin-Tempelhof: Grüner Daumen arbeitslos

Kolonie Bergfrieden wuchert zu – Ehrenamtliche darf aber nicht mehr helfen.

Eigentlich wird Ehrenamt in Tempelhof-Schöneberg gern gesehen. Eigentlich werden freiwillig Engagierte geehrt – mit Medaillen auf Empfängen im Rathaus und mit Urkunden. Der freiwillige Einsatz von Bettina Heidergott-Mazzega etwa ist vom Bezirksamt jedoch nicht mehr gewünscht. Jahrelang lang hat sie in der Kolonie Bergfrieden in Tempelhof die Grünflächen hin zur Kleingartenanlage gepflegt. Dafür ist eigentlich das Grünflächenamt verantwortlich.

Beide Seiten profitierten

Eine Pflegevereinbarung mit Frau Heidergott sah jedoch vor, dass sie die Flächen herrichtet, die Büsche schneidet, die Blumen gießt und was sonst noch so alles anfällt. Die Kosten dafür hat sie selbst getragen und wurde von der benachbarten Gartenkolonie Albrechtshöhe mit Wasserspenden unterstützt. Auch der Vorstand des Verbandes der Kleingärtner stand und steht hinter ihr. Sechs Jahre ging das gut. Beide Seiten profitierten. Frau Heidergott, weil sie sich über die Arbeit innerhalb der Kolonie vernetzte, soziale Treffpunkte schaffte und weil sie ihrem Hobby nachgehen konnte. Das Amt, weil es eine Sorge weniger hatte. Auf Nachfrage bestätigte das Grünflächenamt unter Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) nämlich relativ knappe Personalressourcen: „Zur Zeit stehen dem Fachbereich Grünflächen 153 Mitarbeiter für die Pflege von 275 Hektar geschützten Grünanlagen und 62 Hektar Straßenbegleitgrün zur Verfügung.“ Das sei eine vergleichsweise sehr geringe Ausstattung mit Personal.

Kein Verständnis

Bettina Heidergott-Mazzega hätte gerne weiter geholfen. Doch stattdessen bekam sie die Kündigung im März. Obwohl das Amt immer zufrieden mit ihrer Arbeit gewesen sei, sagt Heidergott. „Wir sehen keine Möglichkeit, die Pflegevereinbarung weiterzuführen“, heißt es dennoch aus dem Büro von Stadträtin Heiß. Stattdessen wuchern nun die Wege zu in der Kolonie.

„Die Kündigung ist für mich unverständlich“, sagt Heidergott. Innerhalb der Kolonie habe es immer wieder Probleme mit einem “Unfrieden stiftenden Kleingärtner” gegeben. Heidergott vermutet, die Verwaltung sei nicht gewillt gewesen, sich näher mit diesen Auseinandersetzungen zu beschäftigen. Auch der Vorsitzende der Kolonie Bergfrieden, Klaus-Peter Golz, konnte in eindringlichen Gesprächen mit dem Grünflächenamt kein Weiterführen des Ehrenamtes erwirken. Dieses will aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussagen über die Kündigung machen. Eigentlich schade, dass dieses Ehrenamt keine Chance mehr hat. Denn eigentlich könnte doch alles so einfach sein.

Datum: 7. September 2019, Text: Sara Klinke, Bilder: Bettina Heidergott-Mazzega