Kein Platz mehr für Ärzte am Alexanderplatz?

Ärzte-Kündigungen im Haus der Gesundheit sorgen für reichlich Kritik.

Dem Haus der Gesundheit stehen einschneidende Änderungen bevor, die zu einer Verschlechterung der ambulanten Versorgung des gesamten Quartiers führen werden. Die Investoren, die Brüder Samwer, die unter anderem Rocket Internet betreiben und auch am umstrittenen Kauf der Weddinger Uferhallen beteiligt sind, planen den Rückbau des Bestands-Dachgeschosses und den anschließenden Bau einer zweigeschossigen Dachaufstockung. Außerdem sollen ein Aufzug und eine Terrassen-Anlage kommen. Für das Erdgeschoss wurden Gastronomie und eine Apotheke genehmigt. Die ersten Kündigungen für die hier seit Jahren niedergelassenen Ärzte sind bereits eingegangen.

Ärztemangel befürchtet

Das Gesundheitszentrum am Alexanderplatz betreut mehr als 100.000 Patienten im Quartier, das den höchsten Altersdurchschnitt im Bezirk aufweist. In der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) kritisierte die Links-Fraktion den Umgang der Besitzer mit den Ärzten. Laut Rüdiger Lötzer, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion, sei es offensichtlich, dass hier „eine Wellness-Oase für Privatpatienten entstehen soll und keine Versorgung für gesetzlich Versicherte“. Durch den Rauswurf der Gynäkologin aus dem Haus der Gesundheit gebe es in dem ganzen Gebiet keine Fachärztin mehr, die in diesem Bereich tätig ist.

„Die Linksfraktion kritisierte schon damals den Verkauf des Hauses an einen geheimen, privaten Investor, der sich später als die Samwer-Brüder herausstellte.“ Die Immobilie wurde im Jahr 2016 von der AOK an die Unternehmer-Brüder verkauft. Und das obwohl auch ein Angebot der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) vorlag. „Die AOK hatte sich gegen einen Verkauf an die städtische WBM entschieden und trägt somit Mitschuld, dass hier die gesundheitliche Versorgung für Kassenpatienten in und um der Karl-Marx-Allee zusammenbricht“, erklärt Lötzer. Beim Verkauf hatte die AOK versichert, dass 50 Prozent der Flächen laut Vertrag weiter der ambulanten ärztlichen Versorgung zur Verfügung stehen.

Unsichere Zukunft

In Zukunft sollen auch Start-ups und als Zwischenmieter ein Fitnessstudio in die Räume an der Karl-Marx-Allee einziehen. Laut Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) in der Bezirksverordnetenversammlung laufen die meisten der Mietverträge mit den Ärzten aus dem Haus der Gesundheit auch noch bis 2021 weiter. Wie viele von ihnen nach dem Umbau tatsächlich noch dort ansässig sein werden, ist aber unklar.

Datum: 11. September 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago images/Bernd Friedel