Rathaus Neukölln: Das wohl sauberste Rathaus Berlins

Das Haus an der Karl-Marx-Straße ist Aushängeschild des Bezirks.

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Die Hauptstadt steht für viele Dinge – Sauberkeit gehört nicht dazu. Das gilt nicht nur für öffentliche Plätze, Bushaltestellen und Bahnhöfe. Selbst Schulen und Ämter stehen immer wieder wegen ungenügender Sauberkeit in den Schlagzeilen. Als einer der schmutzigsten Stadtbezirke gilt Neukölln, dessen Müllberge an Straßen wie Mittelbuschweg, Oderstraße, Saalestraße oder Waßmannsdorfer Chaussee traurige, lokale Berühmtheit erlangten. Die „Müllhotspots“ bekämpft das Bezirksamt Neukölln seit Jahren ebenso wie den schlechten Ruf des Bezirks. Im Rathaus dagegen wird mit gutem Beispiel vorangegangen.

Externer Dienstleister zeigt sich motiviert

Möglich wird das durch die Berliner Reinigungsfirma Putz-Zeit, die die Reinigung der Räumlichkeiten übernimmt. „Unser Ziel war es, das Rathaus Neukölln zum saubersten Rathaus Berlins zu machen.“, kommentierte dazu Sasa Radosavljevic, der die Leitung des Unternehmens vor drei Monaten erneut übernommen hatte. Strenggenommen macht sich die Firma mit dieser Zielsetzung selbst Konkurrenz: Es ist nicht der erste Auftrag vonseiten der Stadt, so wird beispielsweise auch die Unterhaltsreinigung des Rathauses in Charlottenburg von der Firma seit einiger Zeit vorbildlich bewerkstelligt. Die Herausforderung ist spielerisch gemeint, dennoch wird der Auftrag ernst genommen.

Den Erfolg kann sich jeder Bürger und Tourist im Rathaus selbst vor Augen führen: Das Bürgeramt strahlt. Glänzende Fußböden, saubere Fenster und staubfreie Oberflächen gehören jetzt zum Standard, dem Klischee der schmuddeligen Bürgerstelle wird hier einiges entgegengesetzt. Für das Reinigungsunternehmen geht es um viel: Die neue Leitung möchte sich beweisen, die Erwartungen der Stadt sind hoch. Das Rathaus ist für den Dienstleister und den Bezirk ein Prestigeprojekt. In welchem Amt tatsächlich am gründlichsten geputzt wird, lässt sich streng wissenschaftlich nicht bestimmen – schaut man sich die Räumlichkeiten in Neukölln an, scheint es allerdings alles andere als unwahrscheinlich, dass hier tatsächlich das sauberste Rathaus der Hauptstadt steht.

Rathaus Neukölln ist Aushängeschild

Mit dem Auftrag hat die Firma viel Verantwortung: Das Rathaus Neukölln an der Karl-Marx-Straße gehört zu den Aushängeschildern des Bezirks. Es gilt vor allem dank seines 68 Meter hohen Turms als eines der markantesten Gebäude Neuköllns. Auf der Spitze des Turms steht die 2,20 hohe Kupferstatue der Glücksgöttin Fortuna. Fertiggestellt wurde der Bau Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, wegen eines von Nationalsozialisten in Auftrag gegebenen Brands musste er 1950 neu aufgebaut werden. Das Rathaus gehört zu den bekanntesten Werken des Architekten Reinhold Kiehl, der das Stadtbild Neuköllns entscheidend mitprägte. Umso wichtiger also, dass das Gebäude nun durch Putz-Zeit sorgfältig gepflegt wird.

Neukölln hat ein Schmutzproblem

Sauberkeit in öffentlichen Räumen ist in Neukölln immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Im Frühjahr beschloss der Senat die „Gesamtstrategie Saubere Stadt“. Fokus der Initiative war vor allem die Müllentsorgung und Sperrmüllsammlung, die Unterstützung erfolgte personell und finanziell. Neukölln gilt als Spitzenreiter bei illegaler Müllentsorgung, die allgegenwärtigen Müllhalden prägen längst das Image des Bezirks. Seit Februar sorgen darum neue Kiezhausmeister für Ordnung, nachdem im Februar das Programm der „Müllsheriffs“ eingestellt wurde. Während die Müllsheriffs vor allem Bußgelder ausstellten, fungieren die Kiezhausmeister als Ansprechpartner und Helfer bei Fragen oder Problemen bezüglich Mülltrennung und Müllentsorgung. Für Unmut in der Bevölkerung sorgt aber immer öfter nicht nur der Straßenmüll, sondern vor allem die hygienischen Zustände in Gebäuden der Stadt.

Im Mai startete ein Bürgerbegehren für sauberere Schulen in Neukölln, nachdem dreckige Toiletten und schmutzige Schulflure für Schlagzeilen gesorgt hatten. Das Geld, das Neukölln für die Entsorgung der Müllberge aufwenden muss, fehlt an anderer Stelle: Infrastruktur, Bildung, aber eben auch bei der Beauftragung externer Reinigungsdienstleister. Der Problematik sei man sich bewusst, meint Sasa Radosavljevic. Man habe sich deswegen um ein sehr faires Angebot bemüht. Ein sauberes Berlin sei im Interesse aller, da komme man den Bezirke gern entgegen.

Datum: 20. September 2019, Text: Redaktion, Bild: iStock/Getty Images Plus/ArminStautBerlin