Ein Leben für das Radio

Warum Peter Glowasz einen eigenen Sender gründete

Manchmal dauert es länger, bis sich Lebensträume erfüllen – bei Peter Glowasz mussten viele Jahre vergehen, bis der große Wunsch des Wilmersdorfers Wirklichkeit wurde. „Ich musste ja immer mit irgendetwas mein Geld verdienen, um überhaupt leben zu können“, sagt er. „Aber mein Herz gehörte dem Radio.“ Seine Faszination für den Rundfunk begleitete ihn durch das Leben, von Kindesbeinen an – wie der Traum, irgendwann Radiomoderator zu werden. Es klappte nicht, doch der Berliner gab niemals auf. Und gründete als Rentner kurzerhand seinen eigenen Sender.

Besonderes Stück

Glowasz, weißes Hemd, Krawatte mit Schnörkeln, ein Herrenhut als Markenzeichen, sitzt in seinem Wohnzimmer, das beinahe einem Museum gleicht. Um ihn herum stapeln sich Erinnerungen, Relikte aus der Rundfunk- und Musikgeschichte: Ein altes Grammophon, historische Radioempfänger, Bandgeräte aus längst vergangenen Zeiten, stapelweise Kassetten, Schall- und Schellackplatten. Ein ganz besonderes Stück fällt sofort auf, denn es hat einen Ehrenplatz an der Stirnseite des Zimmers, direkt vor dem Fenster: das „Philetta“ von Philipps. Ein eckiger Kasten mit beigefarbener Verkleidung, goldenen Verzierungen und zwei Knöpfen an der Vorderseite. „Es funktioniert noch heute“, sagt Glowasz stolz – und klingt gleichzeitig so, als sei das bei einem Radio-Mann wie ihm selbstverständlich.

Keine Unterstützung

Das Radio ist das erste, das er bekam, seine Eltern schenkten es ihm, als er 15 Jahre alt war. „Das war etwas ganz besonderes, denn es war ja damals nicht so leicht, an einen Empfänger heranzukommen.“ Der kleine Peter lauschte den Klängen, die er empfing – und wollte sie festhalten. Deshalb kam wenig später das erste Tonbandgerät hinzu. Er kaufte es in einem Laden nahe des U-Bahnhofes Onkel Toms Hütte. Glowasz begann, Sendungen aufzuzeichnen. „Ich hörte immer Rias, da gab es wunderbare Moderatoren – schon damals, in meinen Zwanzigern, hatte ich den Wunsch, mal selbst zu moderieren.“ Er ging zum Sprechunterricht bei einer Schauspielerin, so lange, bis sein Geld verbraucht war. Seine Mutter wollte ihn nicht unterstützen. „Sie sagte nur: Hör’ auf mit den Fisimatenten!“

Doch der Berliner sparte, kaufte weitere Geräte, außerdem einen gebrauchten Porsche. Damit fuhr er als „rasender Reporter“ durch Berlin, suchte und interviewte Prominente – die Aufzeichnungen landeten in seinem Archiv. Nichts davon wurde veröffentlicht, denn mit der Karriere beim Radio wollte es nicht so richtig klappen: Glowasz bekam keine Stelle, arbeitete stattdessen in verschiedenen Berufen, für Banken, für den Senat und als Redakteur.

Eigenes Radio

Erst Jahre später kam der Durchbruch beim freien Sender „Alex“. „Dort durfte ich einmal im Monat meine Sendung ausstrahlen. Das war toll, denn sie hatten moderne Technik im Studio“, sagt Glowasz. Doch einmal im Monat zu senden, reichte ihm nicht, also gründete er im Alter von 70 Jahren sein eigenes Radio, den Internet-Sender Nostalgie-Radio. „Bis heute mache ich monatlich fünf Sendungen.“ Über 100.000 Menschen hörten sich die Shows bereits an. „Es gibt eben Leute, die nicht die Schreihälse im Radio hören wollen, viele Sender sind was für junge Leute. Die, die es ruhiger mögen, kommen zu mir.“ Glowasz will noch eine Weile weitermachen. „Ich dachte, ich kann das bis zum 100. Lebensjahr machen“, sagt er und lacht.

Datum: 26. September 2019 Text: Florian Thalmann Bild: Thomas Uhlemann