Berlin-Spandau:Teurer Weg für verschwundene Biber

Investor muss geschützte Route für Nager anlegen, die es dort offenbar nicht mehr gibt.

Hoch im Spandauer Norden, zwischen Havelufer und Spandauer Forst,entsteht seit fünf Jahren eine riesige Siedlung auf dem ehemaligen Gelände des Kraftwerks Oberhavel.

Rund 200 Ein- und Mehrfamilienhäuser werden hier gebaut, in denen ab dem Jahr 2020 rund 1.000 Menschen leben und die ruhige Lage zwischen Wald, Havel und  Teufelsseekanal ganz nah an der Natur genießen werden. Hier heißen die bereits angelegten Straßen „Seychellenweg“, „Galapagosweg“ oder „Hawaiiweg“ und im Hakenfelder Gesamtprojekt schwingen stets Wasser, Weite und Idyll im Unterton mit.

Gute Aussicht

„Havelmarina“ nennt sich das Projekt mit viel guter Aussicht und der Perspektive vom „individuellen Wohnen direkt am Wasser“. Möglichst nah ans Wasser heran hat der Projektentwickler, die Helma Wohnungsbaugesellschaft die Parzellen auch an Kanal und Havel geplant. Individuell gestaltbare Einfamilienhäuser sollen hier entstehen. Der Preis pro Quadratmeter Bauland liegt derzeit bei rund 550 Euro – alles inklusive zahlen Bauherren dann circa 600.000 Euro für ihr Häuschen mit Garten und bestem Blick aufs Wasser. „In so einer Gesamtsumme sind nicht nur die Erschließungs- und Baukosten, sondern auch der Aufwand für den nötigen Naturschutz enthalten“, erläutert Thorsten Meier, der Vertriebsdirektor bei der Helma.

Torsten Meier von der Helma AG vermarktet die Havel-Marina

Und diesen Aufwand betreibt sein Unternehmen derzeit für einen ganz speziellen Wald- und Wasserbewohner, der hier mutmaßlich schon gar nicht mehr lebt: den Biber! Den hatte die Senatsverwaltung für Umwelt im Rahmen von Untersuchungen zu einem  Landschaftsprogramm vor den Erschließungsarbeiten hier entdeckt und festgestellt, dass am Teufelsseekanal regelmäßig Biber schwimmen und wandern. „Der Teufelsseekanal dient als wichtiger Migrations- und Verbindungskorridor des Bibers und verbindet das Gebiet des Spandauer Forsts mit der Havel“, hieß es einem Gutachten.

Waldzugang sichern

Durch die Bebauung sowie Yacht- und Sportbootverkehr sei Lärm und Lichtverschmutzung auf einer sogenannten “Migrationsstrecke” des Biber zu erwarten. Und genau für diesen Wasser- und Waldzugang musste die Helma in ihrem Havelmarina-Projekt nun Schutzmöglichkeiten schaffen.

„Es gibt begründete Vermutungen, dass der Biber diese Strecke hier mittlerweile gar nicht mehr nutzt und bereits verschwunden ist – dennoch müssen wir die geschützte Zuwegung für die Tiere bereithalten“, erläutert Meier die Maßnahmen, die den Bauträger und damit auch umlagig den Häuslebauern rund 100.000 Euro kosten wird. „Und natürlich geht uns durch die Zuwegung direkt am Ufer wertvolle und sehr attraktive Fläche verloren, die wir nun nicht mehr verkaufen können. Das sind auch Summen von mehr als 100.000 Euro, die da zusammen kommen“, sagt Meier, der den Biberweg aus Naturschutzgründen gut, aus kaufmännischer Sicht aber bedenklich findet. „Wir bauen teure Schutzwege für Tiere, die es hier womöglich gar nicht mehr gibt“, so sein skeptisches Fazit.

Datum: 26. September 2019. Text: Stefan Bartylla. Bilder: Stefan Bartylla/Getty images Plus/iStock/Jillian Cooper