Lichtenberger Kaskelkiez – Blo-Ateliers wollen ihr Gelände kaufen

Mietvertrag mit der Bahn endet 2024 – Verhandlungen des Senats sollen angeschoben werden.

Die Blo-Ateliers sind eine für Berlin einzigartige Mischung aus Kunstateliers, Werkstätten, Manufakturen und kulturellen Initiativen. Umgeben von Schienensträngen am Rande des Kaskelkiezes gibt es hier Werkstätten für Bumerangs, Schießbögen und Fahrräder aus Bambusholz. Hier entstehen Bilder, Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Mode. Ganze Bühnenbilder für Shows oder Filmsets werden hier gebaut und auf dem Freigelände gibt es große Gartenflächen und sogar einen Schießstand für Bogenschützen.

Die Geschichte

Skulptur in den Blo-Ateliers

Skulptur in den Blo-Ateliers

Auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Gelände wurden in den 80er-Jahren noch die Dampflokomotiven der Reichsbahn abgewrackt und in den Rundlokschuppen reparaturbedürftige Waggons und Loks auf die Gleise verteilt. Auch der offizielle Dienstzug von Staats- und SED-Chef Erich Honecker wurde hier geparkt und rund um die Uhr betriebsbereit gehalten. Jetzt befinden sich noch fünf Gebäudekomplexe aus dieser Zeit mit insgesamt 2.500 Quadratmetern vermieteten Atelier- und Werkstatträumen auf dem Gelände. In dem kleinen ökologischen Refugium rund um die Gebäude leben sogar Eidechsen, Fledermäuse und seltene Insekten.

„Angesichts unserer etwas abgeschiedenen Lage fühlen wir uns hier manchmal wie ein Dorf mitten in der Stadt“, sagt Björn Fiese, einer der Künstler und allerersten Mieter auf dem Gelände. Bisherige Nutzung. Seit dem Jahr 2004 betreibt der gemeinnützige Verein Lockkunst mit bis zu 100 aktiven Mitgliedern hier die Blo-Ateliers. Der bis zum Jahr 2024 befristete Mietvertrag mit der Deutschen Bahn AG sieht vor, dass der Verein sämtliche Instandhaltungsarbeiten für Gebäude und Flächen übernimmt.

Allein für die Erschließung des Geländes als Ateliergemeinschaft wurden zu Beginn des Projektes Fördermittel in Höhe von 250.000 Euro beantragt und verwendet – bis jetzt wurden keine weiteren Förderungen benötigt. „Die Künstler hier zahlen Mieten in Höhe von rund sechs bis sieben Euro. „Das deckt die Mietforderungen der Bahn und die Nebenkosten“, erklärt Friese, der auch Spezialeffekte für Filmprodukltionen hier entwickelt.

Gerne würden er und die anderen Mieter hier eine Perspetive über das Jahr 2024 hinaus bekommen. Und das sieht im Moment gar nicht so schlecht aus. „Die Bahn AG hat dem Senat das Grundstück zum Kauf angeboten“, bestätigt auch Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Denkbar wäre dabei, dass der Lockkunst-Verein in eine Genossenschaft überführt würde und diese als Vertragspartner direkt den Kauf durchführen kann, sagt Friese.

„Wir haben ja in den vergangenen 15 Jahren bewiesen, dasss wir auch gemeinnützige Aufgaben hier für Bürger und Bezirk leisten. Wir beziehen die Nachbarschaft in unsere Arbeit mit ein und viele bezirkliche Veranstaltungen wurden hier bereits durchgeführt“, zählt Friese gute Gründe auf, um den Senat von einem finanziellen Engagement für den Kauf zu überzeugen.

„Wir stehen noch ganz am Anfang der Verhandlungen. Aber wir werden auf jeden Fall versuchen, gemeinsam mit dem Senat die Dinge im Sinne der Blo-Ateliers umzusetzen“, sagt Grunst, ein bekennender Fan des Lockkunst e.V. Über Preis und Termin wurde dafür bisher noch gar nicht verhandelt. Das soll nun folgen. Neben dem jetzt genutzten Gelände könnte dann auch ein bislang ungenutzter Lokschuppen und weitere angrenzende Grundstücksteile der DB AG in die gemeinsame Planung aufgenommen werden.

Datum: 5. Oktober 2019, Text und Bilder: Stefan Bartylla