Berlin-Weißensee: Vom letzten großen Mythos der Moderne

Die Brotfabrik in Berlin-Weißensee bringt „Eine amerikanische Nacht“ auf die Bühne und lädt zur Ausstellung ein.

Auf der Bühne der Brotfabrik, Caligariplatz 1, tut sich auch in den kommenden Tagen so einiges. Mit Unterstützung der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ zeigen Jakob D’Aprile, Laura Eichten, Lilly Menke und Lena Schmittke unter der Regie von Charlotte Lorenz am 10., 12. und 13. Oktober, jeweils 20 Uhr, „Eine amerikanische Nacht“.

Hintergrund dieses Stückes ist die Tatsache, dass für viele Menschen die Vorstellungen von einem amerikanischen Leben der Leinwand entspringen. Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, muss man also mit dem Kino beginnen, eigentlich mit seinen Stars. Sie sind der letzte große Mythos der Moderne. Sie sind die vorgefertigten Bilder, die Stereotypen von Leben und Liebe und müssen das Ideal westlichen Lebens verkörpern. Doch im Bewusstsein um die Beschaffenheit der Bilder liegt auch eine Freiheit.

Diesen Umstand nutzt eine Gruppe von Star-Imitatoren. Indem sie bestehende Identitäten annehmen, führen sie ein System, das vom Zwang zur Individualität geprägt ist, ad absurdum. In diesem Befreiungsakt begegnen sie ihren Sehnsüchten, aber auch den Gefahren der Imitation, bei der zwischen Original und Kopie immer auch die eigene Auslöschung lauert.

Noch bis 27. Oktober ist die Ausstellung „tot oder lebendig“ von Kirsten Breustedt und Jörn Gerstenberg zu sehen. In den von Kirsten Breustedt fotografierten und von Jörn Gerstenberg arrangierten Szenerien wogt der Kampf zwischen der wilden Kreatur und menschlichen Jägern hin und her. Als Soldaten ziehen sie in den Kampf gegen die ungezähmte Natur. Sie töten, straff organisiert und werden in Gegenwehr getötet. Kulturelle
Anspielungen auf Monsterfilme und Schlachtenbilder schwingen mit. Mehr zum Programm online.

Datum: 10. Oktober 2019 Text: Manfred Wolf Bild: Valerie Groth