Mitte: Weiter Ärger um Umgestaltung der Hedwigskathedrale

Gerichtstermin der Umbau-Gegner wurde verschoben.

Der laufende Umbau der Hedwigskathedrale erhitzt weiterhin die Gemüter. Der Verein „Freunde der Hedwigskathedrale“ und einige der Künstler, die am Bau der Kirche beteiligt waren, wollen die geplante Schließung der markanten Bodenöffnung im Innern verhindern. Dafür ziehen sie nun erneut vor Gericht. Auch wenn der ursprünglich für den 15. Oktober festgesetzte Gerichtstermin kurzfristig verschoben wurde. „Seit bald fünf Jahren setzen sich die Mitglieder unseres Vereins für eine behutsame Sanierung der Berliner katholischen Kathedrale ein und widersprechen entschieden der Absicht, deren denkmalgeschützten Innenraum radikal umzubauen“, erklärt der Sprecher der Initiative, Werner Kohl, vor dem Termin.

Zerstörung eines Denkmals

Für einen solchen Umbau gebe es keinerlei Argumente. Immerhin sei der Innenraum von St. Hedwig ein einzigartiges Denkmal der kulturellen Zusammengehörigkeit in der Zeit der Teilung Deutschlands und Berlins. Erst Mitte September geriet das Anliegen des Vereins in die Schlagzeilen, als das Bezirksamt einen Baustopp verhängte. Dem vorausgegangen waren zwei Anzeigen der Initiative wegen ungenehmigter Abbrucharbeiten im Innenteil der Kirche. Das Bistum, das die Arbeiten in Auftrag gegeben hatte, sei wiederum davon ausgegangen, dass es für diese keine Genehmigung benötigt.

Baustopp wieder aufgehoben

Am 26. September folgte auf den Baustopp ein Besprechungstermin in der Kirche, bei dem Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD), Tobias Przytarski, Dompropst an der Sankt Hedwigs-Kathedrale, Guido Schmitz vom Fachbereich Denkmalschutz in Mitte und Christian Franke vom Projektsteuerungsbüro zugegen waren. „Es konnte festgestellt werden, dass zwar Rückbaumaßnahmen stattgefunden haben, diese bezogen sich jedoch auf Ausbau und Sicherung vorhandener Kunstwerke und Ausstattungsgegenstände einschließlich der Orgel“, erklärte Gothe nach dem Termin. Künftig solle es regelmäßige Abstimmungen geben, so der Bezirksstadtrat weiter.

Der Baustopp wurde daraufhin zurückgenommen. Nun also ziehen die Gegner des Projekts wieder vor Gericht und wollen erneut erreichen, dass das Land Berlin seine im Jahr 2018 erteilte denkmalrechtliche Genehmigung für einen Umbau des Innenraums aufhebt. Dabei geht es vor allem um die Beseitigung der Bodenöffnung, die durch eine Treppe zur Unterkirche ersetzt werden soll. Im gleichen Zug soll der Altar ins Zentrum der Rundkirche gerückt werden. Auch habe das Erzbistum, so heißt es weiter in einer Erklärung der Vereins, bisher keinen Bauantrag gestellt. „Weshalb der Bau bisher auch nicht begonnen werden durfte.“ Zwei vorausgegangene Klagen der Kritiker wurden vom Gericht abgewiesen.

Wiedereröffnung in 2023

Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale ist seit einem Jahr anlässlich der Bauarbeiten geschlossen. Eine Wiedereröffnung ist derzeit für das Jahr 2023 und somit pünktlich zum 250. Jubiläum der Kirchweihe, vorgesehen. Ob der Zeitrahmen eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten.

Datum: 13. Oktober 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: iStock/Getty Images Plus/Vladislav Zolotov