Berlin-Buch: Bürgerstadt bleibt umstritten

Noch ist die Elisabeth Aue Naturschutzgebiet

Innerhalb der SPD gibt es jede Menge Streit um Wohnungsbauprojekte

In Pankow ist der Teufel los: Den Beelzebub gibt der Verein „Neue Wege für Berlin e.V.“, der Mitte des Jahres das Projekt „Bürgerstadt Buch“ vorstellte (siehe nebenstehende Grafik). Kern des Vorhabens ist das 200 Hektar große Gebiet „Buch VI“, „in dem in 78 Quartieren eine kleinteilige gemischte urbane Stadt mit etwa 10.000 Wohnungen und Gewerbebetrieben mit etwa 8.000 Arbeitsplätzen sowie der erforderlichen Infrastruktur und Grünflächen entstehen soll“. Ein Starterbereich an dem baulich bereits vorgesehenen S-Bahnhof Bucher Straße soll neun Baufelder für Genossenschaften, Baugruppen und selbstnutzende Bauherren umfassen und eine Art Testlauf für den vorgeschlagenen Weg darstellen.

Ohne Faktencheck

Die im Verein „Neue Wege für Berlin“ engagierten Architekten, Stadtplaner, Wohnungsbauexperten, Politiker und Bürger hatten ihren Plan gerade eben der Öffentlichkeit vorgestellt, da hagelte es wütende Proteste. Pankows Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) schimpfte „dass hier eine Projektidee medial mit großem Aplomb ’gehyped’ wird, ohne jeglichen Faktencheck“. Dass er und sein Bezirksamt es mit den Fakten selbst nicht so genau nahmen, steht auf einem anderen Blatt.

So wies der Verein „Neue Wege für Berlin“ darauf hin, dass der Flächennutzungsplan bis 2002 weitgehend seinem aktuellen Vorschlag entsprach und erst bis 2005 geändert wurde. „Damals“, so ist in einer Stellungnahme des Vereins zu lesen, „hielten die maßgebenden Politiker die Wohnungsfrage in Berlin offensichtlich für dauerhaft gelöst und haben in diesem Gefühl sehr weitgehende Entscheidungen getroffen und durchgesetzt, die wir aber heute aus guten Gründen hinterfragen müssen“.

Keine Ortskenntnis

Dass das gerade in den heutigen unruhigen Zeiten ziemlich schwer fällt, bewiesen unlängst Pankows Sozialdemokraten. Die sprachen sich auf ihrer Kreisdelegiertenversammlung gegen die „Bürgerstadt Buch“ per Beschluss aus. Zur Begründung hieß es: „Die überwiegend aus dem Berliner Westen vorangetriebenen Pläne entbehren leider jeglicher Ortskenntnis. Sie suggerierten fälschlicherweise, es gäbe hier Flächen, die völlig außer Acht gelassen, aber trotzdem sofort bebaut werden könnten. Dem ist mitnichten so.“ Stattdessen, so die Genossen, sollte der Wohnungsbau auf folgenden Flächen vorangetrieben werden: Blankenburger Süden, Buch IV, Am Sandhaus, Karower Süden, Am Teichberg, Ludwig-Quidde-Straße, Michelangelostraße, Pankower und Wilhelmsruher Tor und Elisabeth-Aue.

Anderer Antrag

Auf letzt genanntem Areal soll, wenn es nach der Berliner SPD geht, eine Großsiedlung entstehen. Über den Vorschlag der Pankower SPD, diesen höchst umstrittenen Plan zu ersetzen durch eine Bebauung im kleineren Maßstab, der auch Kleingärten, Parks und eine Schule vorsieht, wird auf dem SPD-Landesparteitag am 26. Oktober nicht abgestimmt. Stattdessen hat es ein Antrag des SPD-Kreisverbandes Mitte auf die Abstimmungsliste geschafft. Sein Titel: „Ein neues Stück Berlin – Bürgerstadt Buch bauen!“

Datum: 18. Oktober 2019 Text: M.Wolf Bild: imago images/Jürgen Ritter