Berlin-Steglitz: Ein Nachbarschaftsladen für den ganzen Bezirk

Der Nachbarschaftsladen in der Belickestraße

Neue Anlaufstelle vermittelt Hilfe für Senioren und Familien

Ein neuer Nachbarschaftsladen ist jetzt an der Berlickestraße in Steglitz feierlich eröffnet worden. Die Beratungs- und Hilfsangebote richten sich an Menschen im gesamten Bezirk. „Sich in der Nachbarschaft freundlich zu begegnen und gegenseitig auszuhelfen, wirkt sich sehr positiv auf das Lebensgefühl aus“, sagt Nina Karbe, die Leiterin der Einrichtung unter dem Dach des Mittelhof e.V. „Deshalb wollen wir Menschen in Steglitz-Zehlendorf mehr miteinander in Kontakt bringen.“ Gerade vielen älteren Menschen falle es leichter, ihren Alltag zuhause gut zu bewältigen, wenn sie auf nachbarschaftliche Unterstützung zählen können.

Entlastung gefragt

„Nachbarschaftshilfe in dieser Form und in diesem Umfang gibt es nur an diesem neuen Standort“, sagt Karbe. Ansonsten verweist sie auf schmaler aufgestellte Projekte wie „LeNa – Lebendige Nachbarschaften“ in Wannsee und den Kiezladen in der Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte. Weitere Ableger für derlei Angebote seien derzeit nicht geplant. Zu den Zielgruppen des Stadtteilladens an der Berlickestraße zählen neben Senioren auch Alleinerziehende oder Familien mit Migrationshintergrund, die Unterstützung in Behördendingen oder bei den Hausaufgaben der Kinder benötigen, so Karbe. Hinzu kommen pflegende Angehörige, die eine Beratung in Sachen Entlastung benötigen oder auch Menschen mit einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit. Die Sprechzeiten sind Montag und Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.

Bei der Seniorenvertretung stieß die neue Anlaufstelle bereits auf ein positives Echo. Das Projekt geht auf die Initiative von Gerald Saathoff zurück. Er leitet das Stadtteilzentrum Villa Mittelhof. In einer Ausschreibung der Unternehmerin Susanne Klatten hatte er laut einen Medienbericht gesehen, dass Klatten 100 Millionen Euro für besondere Projekte zur Verfügung stellen wollte. Laut Saathoff wurde das Konzept unter 900 Anträgen nach eineinhalb Jahren ausgewählt und zählt zu den 95 geförderten Projekten. Die finanzielle Unterstützung läuft über drei Jahre.

Helfer gesucht

Der Nachbarschaftsladen sucht noch Engagierte, die für ihre Mitmenschen da sein wollen. Dabei geht es um leichte Alltagstätigkeiten, die Begleitung zu Ärzten und Ämtern oder auch bei Ausflügen und Spaziergängen. Der Mittelhof e.V., der unter anderem auch das Familienzentrum Lankwitz und das Nachbarschaftshaus Lilienthal betreibt, besteht seit 1947. Gegründet wurde er im Berlin der Nachkriegszeit von amerikanischen Quäkern als erstes Nachbarschaftsheim Berlins. Linderung der Not, Hilfe zur Selbsthilfe und Erziehung zur Demokratie waren primäre Angebote in den ersten Jahren.

In den 50er-Jahren überließen die Quäker dem inzwischen selbstständig arbeitenden Verein Nachbarschaftsheim Mittelhof Berlin e.V. das Stammhaus in der Königstraße in Zehlendorf und zogen sich vollständig zurück. Internationale Arbeit und Verständigung zwischen Ost und West bildeten bis in die 1960er-Jahre einen zentralen Arbeitsschwerpunkt im Mittelhof.

Weitere Informationen zum Nacharschaftsladen in der Belickestraße gibt es hier.

Datum: 18. OKtober 2019. Text: Redaktion. Bild: Jörg Farys.