Berliner Ordnungsämter nehmen Hundehalter ins Visier

Hund in Berliner Park

Mitarbeiter kontrollieren Einhaltung des Leinenzwangs und Steuerplaketten.

Wohl jeder hatte schon mal sein ganz besonderes Erlebnis mit Hunden in Berlin. Sei es beispielsweise ein zähnefletschender Vierbeiner, der trotz Leinenpflicht im Park auf einen zurennt. Nicht nur, aber gerade für Eltern kleiner Kinder ein Albtraum. Wer dann noch Kritik übt, erntet vom Herrchen oder Frauchen meist Ignoranz, ein flapsiges „Oops!“ oder einen dummen Spruch. Nicht zu reden von stinkenden Hinterlassenschaften, die trotz Beutelgebot das Gras vieler Grünanlagen zieren. Viele fragen sich: Was sind all die Vorschriften für Hundehalter wert, wenn deren Einhaltung nur lasch oder auch gar nicht kontrolliert wird?

Kaum Bußgelder

Was die Leinenpflicht betrifft, haben die Berliner Ordnungsämter in dieser Woche eine vergleichsweise radikale Maßnahme gestartet. Seit Montag wird neben der fixierten Leine auch die Steuerplakette der Tiere kontrolliert. Ziel der stadtweiten Aktion sei es, Hundehalter für die Einhaltung der Gesetze zu sensibilisieren, hieß es seitens der Verwaltung. Die Ergebnisse der Kampagne sollen in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Offen ist bislang, ob es weitere Kontroll-Großeinsätze geben wird.

Durchschnittlich 150 Euro müssen Hundehalter seit Anfang des Jahres zahlen, wenn ihr Tier ohne Leine erwischt wird. Das war bislang allerdings fast nie der Fall. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Sven Rissmann hervor. Demnach hat die Mehrzahl der Bezirke zumindest in der ersten Jahreshälfte keinerlei Bußgelder wegen Verstößen gegen die Leinenpflicht erhoben. Berlinweit wurden gerade einmal 33 Anzeigen gestellt, nur zwölf Mal mussten Hundehalter tatsächlich zahlen.

Viele Ausnahmen

Seit dem 1. Januar gilt in ganz Berlin die allgemeine Leinenpflicht für Hunde in der Öffentlichkeit. Die meisten Tiere sind davon allerdings ausgenommen. Zum Beispiel, wenn sie bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 2016 gehalten wurden. Schätzungen zufolge sollen etwa 80 Prozent der aktuell rund 108.700 angemeldeten Hunde in diese Kategorie fallen. Wer seinem geliebten Vierbeiner freien Auslauf gewähren möchte, kann einen sogenannten Hundeführerschein beantragen. Mit diesem darf der Hund auf unbelebten Straßen, Plätzen oder Brachflächen frei laufen. In Parks müssen allerdings alle Hunde immer angeleint sein. Seit Jahresbeginn und bis Ende Juli wurden insgesamt 145 Führerscheine ausgestellt.

In Berlin lebten nach den Zahlen des Statistik-Portals Statista im Jahr 2017 genau 105.836 Hunde, die Anzahl der Halter lag bei 100.429. Mit 10.496 Tieren führte Pankow die Liste der Bezirke an, dicht gefolgt von Marzahn-Hellersdorf (10.033). Die wenigsten Hunde wurden in Friedrichshain-Kreuzberg gezählt (4.336). Auch im Bezirk Mitte blieb deren offizielle Anzahl mit 5.858 vergleichsweise gering.

Datum: 18. Oktober. Text: Redaktion. Bild: GettyImagesPlus/iStock/Yuriy Green