Theater der Dinge – in diesem Jahr zum Schwerpunkt „Kaputt“

Szene aus „Field“. Hier werden elektromagnetische Felder in Sound umgewandelt.

Internationales Festival des zeitgenössischen Figuren- und Objekttheatersvom 23. bis 29. Oktober

Welche Verantwortung tragen wir, wenn der Feind zu einer Ansammlung von Pixeln auf dem Monitor reduziert wird? In „The Automated Sniper“ werden zwei Performer auf der Bühne von einer ferngesteuerten Waffe beschossen. Der Operator befindet sich an einem geschützten Ort, von wo aus er die Brutalität nur virtuell verfolgt.

Julian Hetzel schließt die kühle Brutalität des Militainment mit der intellektuellen Selbstgewissheit des Kunstbetriebs kurz und bezieht das Publikum direkt in die Auseinandersetzung mit der Verspielung von Gewalt ein. Ein Kommentar zur modernen Kriegsführung, ein kritisches Pamphlet und ein Live-Ego-Shooter im Theaterraum. Diese Performance im radialsystem – zu sehen am 26. Oktober, 20 Uhr, ist Teil von Theater der Dinge 2019, dem internationalen Festival des zeitgenössischen Figuren- und Objekttheaters.

Neben dem Festivalzentrum Schaubude Berlin sind das vom 23. bis 29. Oktober das FELD in der Urbanstraße, die WABE sowie Podewil und radialsysten weitere Veranstaltungsorte. „Theater der Dinge“ beschäftigt sich unter dem Themenschwerpunkt „Kaputt“ mit destruktiven und produktiven Zerstörungsprozessen. Gezeigt werden 14 Gastspielproduktionen aus den Niederlanden, der Schweiz, aus Großbritannien, Frankreich, Kanada, Kroatien, Litauen, Katalonien, Norwegen, Tschechien und Deutschland.

„Was ist nicht alles kaputt?“, fragt Festivalleiter Tim Sandweg. „Die Gesellschaft fliegt auseinander, psychische Probleme nehmen zu, das mit dem Weltfrieden haben wir immer noch nicht hinbekommen, das mit dem Klimaschutz auch nicht. Denkt man beim diesjährigen Festivalthema zunächst an solche dystopischen Szenarien, birgt es doch auch ein transformierendes Moment: Erst wenn das Alte weg ist, kann Neues geschaffen werden.“ Mehr Informationen online.

Datum: 21. Oktober 2019 Text: M. Wolf Bild: Martin Messie