Berlin-Dahlem: FU-Gründer Karol Kubicki gestorben

Mediziner war auch erster Student an der Dahlemer Universität.

Stanislaw Karol Kubicki, der Student, der die Matrikelnummer 1 der Freien Universität Berlin im Jahr 1948 erhalten hatte, ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Als einer ihrer Gründer blieb er der Freien Universität bis zum Ende seines langen und erfolgreichen Lebens ganz eng verbunden.

Kubicki hatte 1948 mit einem legendären Münzwurf darüber entschieden, ob er oder sein Kommilitone Helmut Coper sich als erster Student an der in Dahlem neugegründeten Universität einschreiben durfte.

Dabei hatte Jahre zuvor in seinem Leben noch alles nach einem klassischen Studienabschluss an der Humboldt-Universität ausgesehen. In den ersten Nachkriegsjahren verlief sein Studium im Haus Unter den Linden mit den Vorphysikum und Physikum im fast üblichen Rahmen.

Professor Dr. med. Stanislaw Karol Kubicki, Gründungsstudent und „Matrikelnummer 1“ der Freien Universität Berlin

Erst nachdem seinen Freunden und Studienkollegen Otto Stolz, Otto H. Hess und Joachim Schwarz im April 1948 die Studienerlaubnis an der HU entzogen wurde, brachte sich Kubicki selbst mit einem „gepfefferten Sonderheft“ der Studentenzeitschrift „colloquium“ im Artikel „Wer denunziert?“ in Gefahr. Für solche Proteste wurden Studenten im Ost-Sektor der Stadt damals mindestens exmatrikuliert oder gar verhaftet. Lebensgefahr drohte dem Sohn des expressionistischen Maler-Ehepaares Margarete Kubicka und Stanislaw Kubicki, der im dritten Reich bereits einer Schüler-Widerstandsgruppe am Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium in Neukölln angehörte.

Am 5. November 1948 gründete Kubicki gemeinsam mit Kommilitonen und Mitautoren der Zeitschrift “colloquium2 im Westteil Berlins mit dem berühmten Münzenwurf die Freie Universität. Dort beendete schloss er 1953 sein Medizinstudium ab und begann im Anschluss eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, promovierte 1955 und wurde 1969 an „seiner“ Freien Universität zum Professor ernannt. Am Klinikum Westend leitete er von 1975 bis zu seiner Emeritierung 1991 die Abteilung für Klinische Neurophysiologie.

“Seiner” Universität blieb Kubicki ein Leben lang treu und lebte ihre Grundsätze veritas, justitia, libertas – Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit – im wahrsten Sinne der Worte. Anlässlich des 70. Jubiläums der Freien Universität zog der 92-Jährige ein ganz eigenes verschmitztes Fazit: „Ich finde die Freie Universität ganz in Ordnung, sie hat sich prima entwickelt, wir können stolz auf sie sein.“

 

Datum: 23. Oktober 2019, Autor: red / Stefan Bartylla