Hartnäckiger Kämpfer aus Hamburg

Harald Hansen im Bootshaus des Friedrichshagener RV

Wie Harald Hansen um den RV Friedrichshagen und dessen Heimstatt ringt

Gosener Graben klingt gut. Sie waren ja lange nicht mehr dort. Zwar läuft die Saison seit einer Weile, sie sind schon auf der Müggelspree gerudert, auf dem Müggelsee, der Dahme, aber der Gosener Graben? „Ist der nicht mehr gesperrt?“, fragt Harald Hansen, und als er ein Schulterzucken zur Antwort erhält, ist es beschlossene Sache: „Gut, dann lasst es uns versuchen. Das könnte ein kleines Abenteuer werden.“

Bedrohte Existenz

Ein weniger lustiges Abenteuer erleben Hansen und seine Sportsfreunde seit einigen Jahren. „Eine leidige Angelegenheit, die unseren Verein in seiner Existenz bedrohen kann“, sagt Harald Hansen. Der Vorsitzende des Friedrichshagener RV steht neben aufgebockten Ruderbooten. Vor Hansen liegt die Müggelspree, hinter ihm ragt der Grund der Probleme in den Himmel: Hahns Mühle, das Bootshaus des Friedrichshagener RV. Es ist ein typischer Konflikt, zu dem Mauerbau und Mauerfall geführt haben, weil ein Ruderklub aus dem Westen Berlins namens Hellas-Titania nach der Wende Ansprüche auf das Gebäude im Osten der Stadt geltend machte: Rückübertragung, Nutzungsvereinbarung, auslaufende Fristen, die üblichen Verwicklungen.

Vielversprechender Weg

Einzigartig wird der Konflikt dadurch, dass ein Westdeutscher für die Belange eines ostdeutschen Vereins kämpft: Harald Hansen, 67, gebürtiger Hamburger. Inzwischen sind sie auf einem vielversprechenden Weg. „Ich habe mich der Sache ein bisschen angenommen“, sagt Hansen. Vor sechs Jahren ist er in den Friedrichshagener RV eingetreten, beinahe zufällig, wie das eben so kommt.

„Ich habe schon in Hamburg als Jugendlicher gerudert, bin auch Rennen gefahren“, erzählt er. „Irgendwann bin ich aber zum Handball gegangen.“ Er blieb dabei. Erst einmal. Vor elf Jahren zog Hansen dann nach Berlin. „In erster Linie aus familiären Gründen.“ Seine Ehefrau kommt aus Köpenick. Seinen Job führte er von Berlin aus weiter. „Ich war in der Weiterbildung und beruflichen Rehabilitation tätig“, sagt der gelernte Berufsschullehrer.

Sportliche Heimat

Zum Friedrichshagener RV kam er durch einen Ausflug an die Regattastrecke in Grünau. Ruderboote zogen ihre Bahn über die Dahme, schnittige Einer, majestätische Achter, synchron der Schlag, sichtbar die Kraft. „Und dann war sie wieder da, die alte Liebe zu diesem tollen Sport“, sagt Hansen. Er machte sich auf die Suche nach einem Verein und entdeckte Hahns Mühle.

Die Entscheidung war gefallen. Dieses Gebäude würde seine sportliche Heimat werden. Diejenigen, die darin schon zu Hause waren, nahmen ihn herzlich auf. „Ruderer“, sagt Hansen, „sprechen eine Sprache.“ Mit anderen im Klub kämpfte er nicht nur um Hahns Mühle, sie legten ein neues Fundament. Eines, das nicht aus Stein und Beton ist: die Jugendarbeit.

Erfolgreiche Sportler

Der Friedrichshagener RV kooperiert nun mit der Wilhelm-Bölsche-Schule und mit dem Gerhard-Hauptmann-Gymnasium. Etwa 80 Schüler sind pro Woche auf der Müggelspree aktiv. Hinzu kommen die rund 50 Kinder der Jugendabteilung. Bei der deutschen Nachwuchsmeisterschaft holten RV-Sportler drei Gold- und eine Bronzemedaille. Und: Der Ruderverein wächst wieder. „Inzwischen haben wir rund 210 Vereinsmitglieder“, weiß Harald Hansen.
Für seine Ausfahrt mit dem Wanderboot hat er sich übrigens ein anderes Ziel suchen müssen. Der Gosener Graben war tatsächlich gesperrt.

Datum: 31. Oktober 2019 Text: Christian Schwager Bild: Markus Wächter

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung