Berlin-Kreuzberg: Kino Moviemento sucht seinen Retter

Zwei Millionen Euro müssen für den Kauf zur Verfügung stehen.

Seit 107 Jahren gibt es ein Kino am Kottbusser Damm 22 auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln. Dort, wo sogar schon Stummfilmklassiker in ihrer Erstaufführung liefen und das Haus viele Male den Namen und Besitzer wechselte, stehen die Betreiber des heutigen Moviemento-Kinos vor einer bedeutenden Zäsur: Die bislang gemieteten Säle und Geschäftsräume stehen jetzt zum Verkauf. „Das gesamte Haus hat in den letzten Jahren mehrfach den Besitzer gewechselt, jetzt wird es in Stückchen verkauft. „Wir wissen das seit Mitte Oktober. Sicher haben wir das vorher geahnt. Aber, als es bekannt wurde, war es für uns doch eine Überraschung“, so Wulf Sörgel, der gemeinsam mit Iris Praefke das Moviemento seit dem Jahr 2007 betreibt.

Hohe Kaufsumme

Zwei Millionen Euro ruft jetzt die Delta Vivum Berlin I GmbH, eine Unterfirma des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen SE als Kaufsumme auf. Geld, das Sörgel und Praefke in Summe nicht aufbringen können. „Uns liegt aber zumindest schon einmal ein Angebot vor. Zu wünschen wäre nun, dass die Menschen bei der Deutsche Wohnen auch ein Herz fürs Kino haben und sie für den Erhalt des ältesten Kinos Deutschlands den Preis deutlich senken“, wünscht sich Sörgel, der als eigenen Einsatz gemeinsam mit Iris Praefke 200.000 Euro in die Kaufsumme einbringen kann. Weitere 200.000 Euro sollen über Crowdfunding-Aktionen und Unterstützung aus dem Freundeskreis zusammen kommen. Allein eine Restsumme von bis zu 1,6 Millionen Euro muss danach irgendwie aufgebracht werden. „Die Internetaktion auf der Startnext-Plattform wird noch bis Februar 2020 laufen“, erklärt Sörgel. Fast 40.000 Euro sind dort bislang zusammengekommen. Bisher gäbe es keinen konkreten Termin für die Kaufabwicklung. „Sobald dieser feststeht, wird sich der Druck auf uns bestimmt erhöhen“, sagt Sörgel, der weiß, dass der Plan zum Kauf des Kinos nur dann aufgeht, wenn wirklich alles perfekt läuft. „Im Idealfall bekommen wir das Geld selbst zusammen, aber es könnte natürlich sein, dass wir auch Miteigentümer mit ins Boot holen müssen“, sagt Sörgel. Im Moment gebe es deshalb auch schon Gespräche mit Kollegen aus der Filmbranche, die Interesse am Erhalt des Kinos haben.

Bedeutender Filmort

Im Moviemento sind derzeit 15 Mitarbeiter angestellt. Das Kino hatte in den vergangenen Jahren immer zwischen 70.000 und 85.000 Besucher pro Jahr. Eine Besonderheit des Kinos sind die speziellen Filmfestivals, die hier in den vergangenen Jahren etabliert wurden und die dem Kino sogar eine internationale Bekanntheit verschafft haben. Dazu zählen das Pornfilmfestival, das Xposed Queer International Filmfestival, das Female Filmmakers Festival, das Down Under Berlin Australian and New Zealand Film Festival, das Bulgarische Dokumentarfilmfestival und das Ake Dikhea! Roma Filmfestival. „Teilweise kommen für diese Veranstaltungen sogar Menschen aus Australien, Japan, Indien und den USA nach Berlin und verbringen ein paar Tage hier in der Stadt“, erklärt Sörgel, der gemeinsam mit Iris Praefke auch das Kino Central in Mitte und das Kino Toni in Weißensee betreibt.

In den kommenden Wochen sind Sonderaktionen zur Rettung des Moviemento geplant. Mehr Infos und Spendenmöglichkeiten finden sich auf der Crowdfunding-Plattform Startnext.

Datum: 18. November 2019, Text: Stefan Bartylla, Bilder, Moviemento, Stefan Bartylla