Prenzlauer Berg: Sanierung Thälmanns wird verschoben

Lew Kerbel schuf die Thälmann-Büste

Der Wettbewerb zur „künstlerischen Kommentierung“ läuft

Rund um das Thälmann-Denkmal am gleichnamigen Park gab es zuletzt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Wie unser Schwesterblatt, der Berliner Kurier, berichtete, wird sich die für 2020 geplante Sanierung der riesigen Bronzebüste noch um ein Jahr verschieben. Wie der Kurier aus dem Landesdenkmalamt erfuhr, würden die Planungen für die Restaurierung erst im kommenden Jahr beginnen. Deren Umsetzung sei dann für 2021 geplant. Gründe für die Verzögerung seien fehlende personelle Kapazitäten und Ressourcen sowie die Erkenntnis, dass sich die technische Umsetzung komplizierter gestalte als vor einem Jahr noch angenommen. Eine akute Einsturzgefahr sei jedoch noch nicht gegeben.

Keine Kompetenz

Das Landesdenkmalamt werde die Planung und Restaurierung der dem Bezirksamt zugeordneten Unteren Denkmalschutzbehörde Pankow übertragen. Diese Tatsache allerdings könnte sich als äußerst schädlich erweisen, weil sich die Untere Denkmalschutzbehörde Pankow gerade in jüngster Zeit als wenig kompetent und durchsetzungsstark in Sachen Denkmalschutz präsentiert hat. Und darüberhinaus ebenfalls über zu wenig Personal verfügt.

Große Bandbreite

Und jetzt die gute Nachricht: Zu dem im Juni 2019 durch das Bezirksamt ausgelobten deutschlandweiten offenen zweiphasigen Kunstwettbewerb „Künstlerische Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals“ (das Berliner Abendblatt berichtete) hat jetzt in der ersten Phase das Preisgericht getagt. Zum Wettbewerbsverfahren wurden 110 prüffähige Entwürfe eingereicht und zum Verfahren zugelassen. Die künstlerischen Entwürfe, so das Urteil des Bezirksamtes, spiegelten eine große Bandbreite zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen wieder.

In der ersten Phase waren die Teilnehmer aufgefordert, grundsätzliche künstlerische Lösungsansätze in Form einer Ideenskizze im Zusammenhang mit konzeptionellen Überlegungen einzureichen. Aus den eingereichten Entwürfen hat das Preisgericht zehn Entwürfe ausgewählt. Deren Entwurfsverfasser werden nun aufgefordert, die Ideen- und Konzeptentwürfe als Realisierungsentwürfe auszuformulieren.

Das Preisgericht beurteilt in beiden Phasen in gleicher Besetzung. Die Preisgerichtssitzung der zweiten Phase wird im April 2020 tagen und aus den dann eingereichten Arbeiten einen Entwurf auswählen und zur Realisierung empfehlen. Zudem sind zwei Preise und eine Anerkennung ausgelobt.

Öffentliche Ausstellung

Das Wettbewerbsverfahren ist anonym. Informationen über Teilnehmer und den Charakter der Entwürfe können erst nach Abschluss des gesamten Verfahrens veröffentlicht werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs wird nach Abschluss der zweiten Phase allen Teilnehmern per Preisgerichtsprotokoll sowie der Öffentlichkeit über die Medien mitgeteilt. Das Bezirksamt wird alle eingereichten und zur Beurteilung zugelassenen Arbeiten dann für mindestens zwei Wochen öffentlich ausstellen. Ort und Zeitpunkt werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Thema des Wettbewerbs ist die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart des Ernst-Thälmann-Denkmals. Die künstlerische Kommentierung sollte dazu dienen, Fragen aufzuwerfen, zu irritieren und zur Diskussion anzuregen. Gewünscht sind Konzepte, die zu einer Belebung des Ortes beitragen und das Denkmal und den Platz drumherum erlebbar machen.

Datum: 21. November 2019 Text: Manfred Wolf Bild: imago images/Jürgen Ritter