Berlin-Lichterfelde: So ökologisch wird das neue Mega-Quartier

Investor stellt Konzept für Neubauprojekt mit 2.500 Wohnungen  in Lichterfelde-Süd vor.

Dort, wo zu Mauerzeiten die US-Armee den Häuserkampf trainierte, soll zwischen Osdorfer Straße und Anhalter Bahn ein Stadtviertel mit 420 Reihenhäusern, rund 1540 Miet- und Eigentumswohnungen sowie 540?Sozialwohnungen entstehen. Sein Name: Neulichterfelde. Zum Wochenbeginn hat der Investor, die Groth Gruppe, Planungsdetails vorgestellt.

Anfang 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis 2025/26 abgeschlossen werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 900?Millionen Euro. Das Unternehmen kalkuliert für die frei finanzierten Wohnungen mit Mietpreisen von etwa zehn bis 12 Euro je Quadratmeter. Die Kaufpreise für die Reihenhäuser könnten eine halbe Million Euro überschreiten. Die Sozialwohnungen, die derzeit im Schnitt für 6,50 Euro je Quadratmeter vermietet werden, sollen von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichtet werden.

Weniger Sozialwohnungen

Zwar müssen private Bauherrn aktuell bei Projekten, für die ein Bebauungsplan erstellt werden muss, wie in Lichterfelde-Süd, einen Anteil von 30 Prozent der Wohnfläche für Sozialwohnungen ausweisen. In Neulichterfelde liegt der Anteil, bezogen auf die Mehrfamilienhäuser, die als Maßstab gelten, aber nur bei 25 Prozent.. Der Grund: Das Projekt wird noch nach den alten Bedingungen des sogenannten kooperativen Baulandmodells errichtet. Diese sahen einen geringeren Anteil mietpreisgebundener Wohnungen vor.

Herzstück des 97 Hektar großen Quartiers soll ein Stadtplatz in der Nähe des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd werden. Dort sind Wohnungen, Büros ein Supermarkt und Geschäfte des täglichen Bedarfs geplant. Auf rund 36 Hektar sollen neben Spielplätzen und Grünflächen überwiegend fünf- bis sechsgeschossige Wohnhäuser entstehen. Der größte Teil der Fläche entfällt mit etwa 61 Hektar auf die Weidelandschaft, die erhalten bleibt. Wenn es nach den Anwohnern gegangen wäre, hätten allerdings deutlich weniger Flächen bebaut werden dürfen. Ein Aktionsbündnis hatte sich dafür ausgesprochen, nur 16?Hektar zu bebauen.

Artenreichtum gesichert

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der sich künftig um die Weidelandschaft kümmern soll, äußert sich trotzdem äußerst wohlwollend. Obwohl jede Bebauung einen Eingriff in die Natur darstelle, könne der BUND mit der hier gefundenen Lösung „gut leben“, hieß es. Es werde auf dem Areal auch in Zukunft einen Artenreichtum an Schmetterlingen, Wildbienen und seltenen Pflanzen geben, wie er in Berlin „kaum ein zweites Mal“ vorkomme.

Überhaupt soll das neue Stadtviertel innovativ und ökologisch werden. Mit der Toyota Kreditbank präsentierte die Groth Gruppe einen Partner für ein „innovatives Mobilitätskonzept“. Seine Aufgabe ist es, den konventionellen Autoverkehr in Neulichterfelde zu reduzieren und die Bewohner zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr sowie auf Elektroautos und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge zu bewegen. Strom und Wärme sollen vom Öko-Energieversorger Naturstrom geliefert werden. Zwei Baracken, in denen im Zweiten Weltkrieg französische Kriegsgefangene untergebracht waren, bleiben erhalten. Eine Baracke soll als Ausstellungsfläche hergerichtet, die zweite als Jugendfreizeiteinrichtung genutzt werden.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung der Berliner Zeitung.

Datum: 23. November 2019. Text: Ulrich Paul. Visualisierung: Groth Gruppe