Keine Angst vor Rotröcken: Füchse in Berlin

Der Fuchs bereichert die Fauna in unseren Siedlungsgebieten.

Ein Wildtier ist ein schlaues Tier, wenn es in die Stadt geht. Anders als auf dem Lande werden einige Arten in der Stadt nicht bejagt, außerdem gibt es hier reichlich Nahrung. Was dem Tiere demnach paradiesisch vorkommen mag, kann den menschlichen Bewohner doch erheblich stören. In unserer Serie „Wildtiere in der Stadt“ wollen wir für das Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier eine Lanze brechen. Denn das „Wildlife“ bringt neben dem einen oder anderen Ärgernis auch Freude, tierische Erkenntnisse und nicht selten gute Unterhaltung in die Stadt. Heute erzählen wir vom Fuchs.

An einem dunklen Novemberabend in Treptow: Es ist nebelig, die Straßenlaternen flackern ein wenig. Ein Hundebesitzer geht mit seinem Tier die letzte Runde. Er grübelt so vor sich hin, ist nicht sehr aufmerksam. Anders der Hund. Dieser steht plötzlich stocksteif mit angehobener Pfote vor seinem Herrn und lauert. Der Mann wird aufmerksam, schaut nach vorne und erblickt einen Fuchs. In aller Ruhe überquert dieser einen der Wege im Treptower Park.

Keine Gefahr

Sei es während einer Autofahrt oder während eines Spaziergangs bei Dunkelheit – Wohl jeder Berliner hat schon einmal einen Fuchs in der Stadt gesehen. Kein Wunder, die hübschen Rotröcke haben sich perfekt an den Trubel der Großstadt angepasst und eine deutlich geringere Fluchtdistanz gegenüber Menschen (und ihren Haustieren) entwickelt. Sie passieren während ihrer Suche nach Nahrung nicht nur die Stadtwälder oder Grünanlagen, sondern halten sich auch im dicht besiedelten Stadtbereich auf – auf Straßen und Plätzen, in Höfen und Gärten. Warum auch nicht, niemand stellt ihnen hier nach, die Jagd ist im „befriedeten“ Bereich nicht gestattet. Und so gehen vom Menschen keine Gefahren aus. Außer vom Straßenverkehr – aber dieser hält die anpassungsfähigen Tiere nicht davon ab, trotzdem das Stadtgebiet flächendeckend zu besiedeln. Als natürliche „Schädlingsbekämpfer“ erbeuten sie Kleinsäuger wie Ratten und Mäuse.

Auf gute Nachbarschaft

Füchse sind nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an. Nur diejenigen, die durch verbotene Fütterung an den Menschen gewöhnt wurden, trauen sich sehr nahe heran. Bei unbeabsichtigten Begegnungen mit einem Fuchs gilt: Ruhe bewahren und dem Tier einen Fluchtweg freilassen. Gesundheitliche Gefahren gehen vom Fuchs nicht aus: Übertragene Krankheiten wie Tollwut oder der Fuchsbandwurm spielen heute keine Rolle mehr. Fälle diesbezüglich wurden Jahrzehnte schon nicht mehr nachgewiesen. Anders bei Staupe. Diese Viruserkrankung führt bei Füchsen zum Tode und ist zwar nicht auf Menschen, wohl aber auf Hunde und Katzen übertragbar. Diese können aber dagegen geimpft werden.

Füchse von Grundstücken fernzuhalten, damit sie sich nicht am Katzenfutter oder an Gartenpantoffeln als Spielzeug vergreifen, ist schwierig bis unmöglich. Sie können schließlich gut springen, klettern und kriechen. Daher gilt es, keine Nahrung für die Tiere im Garten zugänglich zu machen und „Spielzeuge“ in Form von Schuhen oder Sandspielzeugen wegzuräumen. Das Aufstellen von Fallen ist verboten. Den Fuchs aus geringer Entfernung zu beobachten, bedeutet eine Bereicherung. Eines der schönsten heimischen Wildtiere hat es geschafft, sich hier seinen Lebensraum zu erobern.

Ratsuchende und Interessierte können sich an die Wildtierberatung des NABU wenden. Diese ist per E-Mail sowie montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr telefonisch erreichbar.

Datum: 23. November 2019, Text: Sara Klinke, Bild: Getty Images Plus/iStock/Dgwildlif