Berlin-Marzahn: Eine Aktionswoche, drei Kulturen 

Ofen am Abenteuerspielplatz Die Wicke

Deutsche, jüdische und arabische Jugendliche machten Spielplatz gemeinsam winterfest

Gleich mehrfachen Grund zum Feiern hatte die Spielplatzinitiative „Die Wicke“ Mitte November. Pünktlich zum 29. Geburtstag des Abenteuerspielplatzes war das Gelände in Marzahn-Nord winterfest gemacht worden. Hilfe dazu gab es von Jugendlichen, die zum jüdischen Tag der guten Taten, dem „Mitzvah Day“ mit angepackt hatten. Bundesweit organisieren an diesem Aktionstag unterschiedliche jüdische Gruppen kleine und große Hilfsprojekte, um sich für ein gesellschaftliches Miteinander einzusetzen.

Die Besonderheit der Aktionswoche beim Marzahner Projekt: Jüdische, arabische und deutsche Jugendliche stemmten die Aufräumarbeiten auf dem Abenteuerspielplatz gemeinsam. Mitarbeiter des Zentralrats der Juden in Deutschland und des filmischen Integrationsprojektes R.future TV hatten zudem auch begonnen, einen ganz besonderen Lehmofen zu bauen.

Hoher Besuch.

Als Höhepunkt der Aktionstage wurde zum 17. November am großen Lagerfeuer auf dem Platz eine typisch jüdische Suppe gemeinsam gekocht. Zu diesem besonderen Festessen besuchte schließlich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, gemeinsam mit der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Petra Pau sowie Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (beide Die Linke) den Abenteuerspielplatz an der Eichhorster Straße.

In ihrem Beisein wurde mit dem Bau eines Lehmofens begonnen, der bis zum Weihnachtsmarkt am 30. November fertiggestellt sein soll und mit den Symbolen jüdischer, christlicher und muslimischer Religion sowie mit dem Gruß „Schalom Aleikum“ versehen wird.

Knusprige arabische Pizza soll dann zum Weihnachtsmarkt am ersten Adventssamstag in diesem Ofen gebacken werden. Josef Schuster zeigte sich bei seinem Besuch in Marzahn beeindruckt von dem Ergebnis der Aktionswoche. „Ich freue mich über das starke Engagement der jüdischen Gemeinschaft für unsere Zivilgesellschaft. Das ist ein Vertrauensbeweis für die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland“, erklärte Schuster.

Der Mitzvah Day beweise, dass auch Begegnungen im Kleinen große Wirkung entfalten könnten. „Es hat mich zutiefst bewegt, dass wir unser diesjähriges Projekt zugunsten des Umweltspielplatzes gemeinsam mit Syrern und Irakern gestaltet haben, die wir 2015 beim Mitzvah Day Projekt in einer Notunterkunft kennengelernt hatten und die jetzt selbst für andere aktiv werden wollten“, lautete sein Fazit.

Gemeinsames Handeln. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle deutete diesen Arbeitseinsatz auch als ein Stück Annäherung an gegebene Realitäten. „Als ich 2003 im Bezirk als Stadträtin anfing, hatten wir hier einen Anteil von 6,3 Prozent an Menschen mit Migrationshintergrund. Inzwischen sind es mehr als 20 Prozent. Das heißt, dass jeder fünfte Einwohner von Marzahn-Hellersdorf zugewandert und hier zuhause ist“, rechnete sie vor. Inzwischen wachse bereits die zweite und dritte Generation dieser Menschen hier auf.

„Bei allen Problemen, die wir hier in Marzahn-Hellersdorf mit der Migrationsproblematik haben – ist das gemeinsame Handeln inzwischen auch ein Stück Normalität geworden“, so Pohle, die betonte, dass man schließlich schon seit Jahren das Angebot hinsichtlich kultureller Vielfalt ausbaue. Der Abenteuerspielplatz „An der Wicke“ sei exemplarisch und vorbildlich für solche Angebote, so Dagmar Pohle.

Datum: 24. November 2019, Bild und Text: Stefan Bartylla