Berlin macht Fortschritte bei der Mülltrennung

Biomüll

Jede Menge Bioabfall wird aber noch immer nicht korrekt entsorgt.

Berlin plagen riesige Müllberge. Der Senat versucht gegenzusteuern, indem die Berliner angehalten werden, ihren Abfall vorschriftsgemäß zu entsorgen. Dazu eine gute Nachricht: Offenbar trennen immer mehr Berliner ihren Biomüll, anstatt ihn mit dem Restmüll zu entsorgen. Das geht aus einer Statistik der Berliner Stadtreinigung (BSR) hervor, über die verschiedene Zeitungen berichteten.

Demnach sammelte das landeseigene Entsorgungsunternehmen in den ersten sieben Monaten des Jahres deutlich mehr „biogene Abfälle“ als im Vergleichszeitraum des Vorjahres ein. Das Volumen dieser Abfallgruppe stieg um knapp 32 Prozent auf 75.000 Tonnen. In dieser Kategorie sind Laub und Kleinholz enthalten. Bei „klassischen“ Bio-Abfällen stieg das Volumen um gut 28 Prozent auf 56.000 Tonnen. Das sind gut 26 Kilogramm pro Person und Jahr. Bis zum Jahresende rechnet die BSR mit rund 100.000 Tonnen Biomüll. Von Januar bis Juli dieses Jahres nahm das Volumen der Restabfälle – der mit Abstand größten Abfallgruppe – um 2,3 Prozent auf 467.000 Tonnen ab.

Auf eigene Kosten

Der Grund für die auffälligen Bewegungen in der BSR-Statistik dürfte die Tatsache sein, dass seit dem 1. April alle Hauseigentümer verpflichtet sind, eine Biogut-Tonne auf eigene Kosten auf dem Grundstück aufzustellen und den Mietern, sofern es welche gibt, zur Verfügung zu stellen. 162.054 Bio-Tonnen fanden sich laut Senatsumweltverwaltung im Juni im Stadtgebiet. Das waren 55.530 mehr als im Vorjahresmonat.

Hintergrund der Biotonnen-Offensive ist, dass das Land Berlin den anfallenden Restmüll in den nächsten Jahren deutlich verringern will. Im Mittelpunkt der „Zero-Waste-Strategie“ (deutsch: „Null-Müll-Stragegie“) steht: Müll vermeiden und die Abfälle recyceln, die nicht vermeidbar sind. Die CDU hatte die Entscheidung, kostenpflichtige Biotonnen einzuführen, im Vorfeld kritisiert. Eine Gebührenerhebung würde „das Verständnis wie auch die Bereitschaft zu dieser Form der Mülltrennung bei vielen Berlinern nicht gerade fördern“, so Danny Freymark, der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Berlins größtes Recycling-Projekt

Mieter in den City-Bezirken verfügten überwiegend schon vor dem Stichtag am 1. April über eine Biotonne. In den Stadtteilen außerhalb des S-Bahn-Rings hingegen hatte nicht einmal jeder dritte Haushalt eine solche Tonne. Der Senat sieht in der Biotonne Berlins größtes Recycling-Projekt. Mehr als 40 Prozent der Abfälle in den privaten Haushalten fallen in die Bio-Kategorie, sind naturnah oder zumindest kompostierbar, wie etwa Koch- oder Essensreste oder Hinterlassenschaften aus dem Garten.

Allerdings wird der größte Teil davon nicht korrekt entsorgt. Denn jährlich fallen rund 300.000 Tonnen Abfälle an, die über die Biotonne verwertet werden könnten. Hinzu kommen 80.000 Tonnen Speisereste und Bioabfälle aus rund 15.000 gastronomischen Betrieben. Das Restmüllaufkommen von Gastronomiebetrieben enthält bis bis zu 70 Prozent Speiseabfälle.

Datum: 5. Dezember 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: Getty Images Plus/iStock/Mukhina.