Meister Lampe ist zurück in Berlin

Besonders im östlichen Stadtgebiet werden wieder Feldhasen beobachtet.

Ein Wildtier ist ein schlaues Tier, wenn es in die Stadt geht. Anders als auf dem Lande werden einige Arten in der Stadt nicht bejagt, außerdem gibt es hier reichlich Nahrung. Was dem Tiere demnach paradiesisch vorkommen mag, kann den menschlichen Bewohner doch erheblich stören. In unserer Serie „Wildtiere in der Stadt“ wollen wir für das Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier eine Lanze brechen. Denn das „Wildlife“ bringt neben dem einen oder anderen Ärgernis auch Freude, tierische Erkenntnisse und nicht selten gute Unterhaltung in die Stadt. Heute erzählen wir vom Feldhasen.
Wer schon einmal einen Feldhasen in Berlin gesehen hat, kann sich glücklich schätzen. Äußerst scheu sind die schlauen Tiere und äußerst schnell verstecken sie sich vor Menschen. Und doch: Es gibt die Chance, sie zu sehen, haben sie sich doch ihren Lebensraum in Berlin erobert.

Beobachtungen melden

Seit mehr als 15 Jahren werden besonders im östlichen Berliner Stadtgebiet Feldhasen beobachtet, berichtet Dieter Köhler vom NABU. Sehr viel bekannt sei darüber jedoch noch nicht. „Um das Vordringen der Art in die Innenstadt weiter verfolgen zu können, sind wir an Beobachtungen interessiert. Von Interesse sind die Anzahl der Tiere, Beobachtungsort und -zeit und wenn möglich ein Foto“, ruft Köhler auf. Interessant: Während Feldhasen sich in Neubaugebieten im Osten der Stadt, insbesondere in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg und sogar schon in der Nähe des Stadtzentrums aufhalten (sie werden inzwischen häufiger dort gesehen als in Brandenburg), haben ihre Verwandten, die Wildkaninchen, sich ihren Lebensraum eher im Berliner Westen erobert.
Was treibt den Feldhasen in die Stadt? Wohl in erster Linie die Nahrung. Zwischen den Hochhäusern befinden sich große Freiflächen, die zum Teil über Jahrzehnte nicht gedüngt wurden, auf denen sich aber eine vielfältige Flora entwickelt hat, die den Hasen die lebensnotwendige, abwechslungsreiche Nahrung bietet. Diese finden sie immer seltener in der von Monokulturen bestimmten Feldflur.

Auf der Pirsch

Am besten gelingt es, Feldhasen in den frühen Morgenstunden zu beobachten, wenn weniger Menschen unterwegs sind. Aber auch nachts kann man im Licht der Straßenlaternen äsende Hasen zu sehen bekommen. In manchen Wohngebieten gelingen die Beobachtungen auch zu späteren Tageszeiten. Hier kann man sich ihnen manchmal bis auf wenige Meter nähern, was in der  freien Feldflur so gut wie nie gelingt.
Die größte Bedrohung für Feldhasen in der Stadt sind die zwei besten Freunde des Menschen: das Auto und der Hund. Vor letzterem verstecken sich die Langohren (Feldhasen haben übrigens viel längere Ohren als Wildkaninchen) in Hecken und Gebüschen in Grünanlagen. Natürlich gibt es noch weitere Feinde, zum Beispiel den Fuchs und die Krähe. Diese jedoch finden in Berlin ein so vielfältiges Nahrungsangebot, das nicht mehr umständlich gejagt und erlegt werden muss, dass sie auf den Hasen als Beute nicht angewiesen sind.

Besonders geschützt

Der Feldhase ist – wie fast alle heimischen Säugetierarten – besonders geschützt, weil sich der Bestand in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland stark verkleinert  hat. Auf der Roten Liste Deutschlands ist die Art daher als „gefährdet“ eingestuft.
Dieter Köhler:
neomys@web.de
(030) 543 970 19

Datum: 14. Dezember 2019, Text: Sara Klinke, Bild: Getty Images Plus/iStock/Neil_Burto