Berliner Tierheim zieht traurige Bilanz

Die Zahl der heimatlosen Tiere ist gestiegen.

Alle Hände voll zu tun haben derzeit die Mitarbeiter im Falkenberger Tierheim. Über die Weihnachtsfeiertage wurden 39 Fundtiere in der Tiersammelstelle abgegeben: elf Hunde, 13 Katzen und neun Kaninchen. Von ihren Besitzern wieder abgeholt wurden davon lediglich acht Vierbeiner. Im vergangenen Jahr waren um die Feiertage 37 Tiere abgegeben worden.

Niedlicher Fund

Auch ein kleiner Hundewelpe war unter den Findeltieren. Shih Tzu Lulu ist erst etwa sechs Wochen alt, einfach zuckersüß und passt fast noch auf eine Handfläche. Sie wurde zwei Tage vor Heiligabend in Marzahn gefunden, ist zum Glück wohlauf und wird derzeit von Tierpflegerin Katrin Mosch versorgt. „Dass sogar so ein Tier ausgesetzt wird, ist für uns völlig unverständlich. Lulu ist völlig gesund, bräuchte aber noch mindestens fünf Wochen gemeinsame Zeit mit dem Muttertier“, erläutert Tierheim-Sprecherin Beate Kaminski. Es wird wohl noch ein paar Wochen dauern, bis das Jungtier in ein neues Zuhause ziehen kann. Ein potenzielles neues Frauchen ist bereits gefunden worden.

Angebunden zurückgelassen

Ob Lulu ausgesetzt wurde, lässt sich nur vermuten. Eindeutiger ist der Fall bei einer Hündin, die am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Boxhagener Straße angebunden gefunden wurde. Bei sich trug sie sogar ihren Impfpass. Die knapp einjährige Boxer-Stafford-Mix-Hündin leidet an einer schmerzhaften Ohrenentzündung. Die 21-jährige Manja R. fand die Hündin und nahm sie mit nach Hause. „Heute Nacht war bei uns ordentlich was los“, berichtet die Lichtenbergerin. Erst gab es große Aufregung in der Wohnung der Mutter, weil sich deren Chihuahuas mit der Hündin nur wenig vertrugen. „Aber auch in meiner Wohnung war später die Aufregung groß – meiner Katze war der große Hund nicht geheuer“, berichtet Maja T., die das Tier am Freitagmorgen nach Falkenberg gebracht hat.

Kaninchen am Müllplatz

In Lichtenberg wurden am ersten Weihnachtsfeiertag zwei weiße Kaninchen neben einem Müllplatz gefunden. Die beiden Langohren sind sehr zahm und zutraulich, allerdings auch etwas dünn. Einen Tag später wurde eine Katze im Schlosspark Charlottenburg in einer Tasche entdeckt, dabei ein Zettel, dass man in 30 Minuten zurück sei. Als jedoch nach zwei Stunden immer noch kein Besitzer wieder auftauchte, übergab ein Finder das schwarze Tier der Polizei. „Wir hoffen sehr, dass sich der Halter der Katze noch besinnt und das arme Tier bei uns abholt“, so Beate Kaminski.

Neo sucht seinen Besitzer

Auch Hund Neo hofft, dass er ganz bald abgeholt wird. Er wurde in Friedrichsfelde gefunden, ist ordnungsgemäß gechippt und registriert – doch bisher konnten trotz der ausgelesenen Daten die Besitzer des schwarzen Schnauzers noch nicht erreicht werden.

Wie und warum Tiere rund um die Weihnachtsfeiertage plötzlich heimatlos werden, kann nur spekuliert werden und hat ganz verschiedene Gründe. Kaminski: „Oft sind die Tiere ungeliebte Weihnachtsgeschenke, derer man sich entledigen möchte.” Auch eine bevorstehende Reise, werde als Anlass genommen, ein Tier auszusetzen. „Wenn die erste Euphorie verflogen und die Weihnachtsferien vorbei sind, merken viele Menschen, dass sie einem Haustier doch nicht gerecht werden können.” Kaminski befürchtet, dass an Silvester noch mehr Tiere abgegeben werden.

Datum: 27. Dezember 2019. Text und Bild: Stefan Bartylla.