Berlin-Marzahn: Dorfidylle und Gartenkunst

Ausflug nach Alt-Marzahn und in die Gärten der Welt

Marzahn gelingt das Kunststück, 100.000 Einwohner zu beherbergen und sich trotzdem die verschlafene Ausstrahlung eines Dorfes zu erhalten. Angesichts der Skyline des Stadtteils ist das zunächst schwer zu glauben.

Wechselnde Ausstellungen

Doch der Ausflug ins ursprüngliche Angerdorf Alt-Marzahn (20 Minuten Fußweg vom S-Bahnhof Marzahn) belehrt uns schnell eines Besseren. Auf dem Anger eine schmucke Stüler-Kirche, daneben ein historischer Gasthof, das alte Schulhaus und eine immer noch aktive Bockwindmühle. Dieses ganze Areal nebst Feldsteinhäuschen und klassizistischen Bauernhöfen mit geschnitzten Veranden lädt geradezu zum Verweilen ein. Es gibt allerlei Kunsthandwerk, einen Getreidelehrgarten und das sehenswerte Bezirksmuseum. Der gemeinnützige Verein Agrarbörse Deutschland Ost betreibt das Kulturgut mit wechselnden Ausstellungen, den Tierhof, einen Lehrbauernhof sowie die Kunst- und Keramikscheune SchaMottchen.

Internationale Gärten.

Nach dem Rundgang kann man ausgerechnet hier in der Nähe noch fernöstliches und anderes internationales Landleben besichtigen: im Landschaftspark Gärten der Welt. Der geschichtliche Hintergrund: 1987 wurde Berlin 750 Jahre alt, und so bekamen die Einwohner, in diesem Fall Ostberlins und im speziellen die der nahe gelegenen Wohnquartiere, ein 21 Hektar großes Geschenk: die „Berliner Gartenschau“.

Nach der Wende wurde der Park seinem neuen Namen „Erholungspark“ gemäß mit Liegewiesen und Spielplätzen ergänzt. Im Jahr 2000 entstand mit dem Chinesischen Garten der erste internationale Themengartem. 2017 wurde im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung der zehnte eröffnet: der Englische Garten.

Auf einer Spazierrunde von knapp 1,5 Kilometern kommt man an botanischen Verkörperungen verschiedenster Weltreligionen und Philosophien vorbei. Zum Beispiel ein bepflanzter Innenhof. Gleich am Haupteingang am Blumberger Damm liegt der italienische Renaissancegarten. Entgegen dem Uhrzeigersinn folgen ein Hecken-Irrgarten, ein Labyrinth und verschiedene Beispiele asiatischer Gärten, darunter der Garten des wiedergewonnenen Mondes, der die Städtepartnerschaft mit Peking und die deutsch-deutsche Wiedervereinigung feiert.

Viele Attraktionen

Eine Besonderheit ist der Balinesische Garten in einem großen Gewächshaus, der mit einem balinesischen Anwesen nebst offenem Wohnhaus, Schrein für die Verehrung von Ahnen, Göttern und Dämonen, vor allem aber exotischen Pflanzen glänzt: Orchideen, Fledermauslilien, verschiedene Farnsorten und als besonderer Schmuck ein Fangipani-Baum. Im benachbarten Parkgelände, dem Kienbergpark, warten ebenfalls viele Attraktionen.

Den besten Überblick verschafft man sich dabei aus der Luft. Am Haupteingang Blumberger Damm befindet sich eine von drei Stationen der Seilbahn, die 2017 anlässlich der Internationalen Gartenausstellung gebaut wurde. Auf halber Strecke steigen wir an der Bergstation aus und genießen von der Aussichtsplattform Wolkenhain die Aussicht über die urbane Landschaft und das Wuhletal.

Der Gipfel, auf dem wir gelandet sind, misst 110 Höhenmeter. Von hier aus kann man sich auf der Bobbahn ins Tal stürzen und anschließend wieder hinauf transportieren lassen. Anschließend steigen wir einfach wieder in eine der 64 Gondeln, von denen sechs sogar einen Glasboden haben, und lassen uns zur nahe gelegenen U-Bahn-Station Kienbergpark schweben. Von hier aus fährt die U5 Richtung Alex.