Rasergefahr auf der Landsberger Allee

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Allein im vergangenen Monat kamen hier zwei Fußgänger ums Leben.

In den Hauptverkehrszeiten gilt die Landsberger Allee auf der Strecke zwischen den Marzahner Brücken und dem S-Bahn-Ring als Staufalle. Baustellen lotsen die Pendler zwischen Umland und City immer wieder in die Spurverengungen. Autoschlangen von mehreren hundert Metern „kriechen“ in den Morgen- und frühen Abendstunden geradezu die Strecke entlang. An Wochenenden und in den verkehrsarmen Nacht- und Abendstunden geht’s auf der Landsberger Allee wesentlich rasanter zu. Schnurgerade lädt dann die leere Magistrale dazu ein, weit jenseits der erlaubten 60 Stundenkilometer zwischen Wohnplatte, Wasserwerk und Möbelhäusern „Strecke zu machen“.

Es gibt breite Rad- und Fußwege je Fahrtrichtung, Fußgängerampeln regeln die Querungen über die Magistrale in regelmäßigen Abständen. Eine Verkehrssicherheit, die trügt. Allein im vergangenen Monat ereigneten sich fünf schwere Verkehrsunfällen auf dieser Ein- und Ausfallstraße.

Am 15. Dezember wurde gegen 0.30 Uhr ein 51-jähriger Fußgänger in Höhe Ferdinand-Schultze-Straße getötet. Der Fahrer des am Unfall beteiligten PKW fuhr mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit und stand mutmaßlich unter Alkoholeinfluss. Nur zwei Tage später wurde ein 74-jähriger Fußgänger in Höhe des Weißenseer Weges von einem 70-jährigen Autofahrer getötet und am 14. Dezember wurde eine Fußgängerin in Höhe des Weihnachtsmarktes angefahren und schwer verletzt.

Immer mehr Verkehr. Derzeit sind täglich mehr als 70.000 Autos auf der Landsberger Allee unterwegs. Die Bevölkerungszahlen in den Gebieten entlang der Landsberger Allee werden in den kommenden Jahren weiter wachsen. Das „Netzwerk fahrradfreundliches Lichtenberg“ fordert bereits jetzt von der Politik die Einführung von Tempo 30 auf der gesamten Strecke. Allein aufgrund der steigenden Zahl der Verkehrsteilnehmer müsse man die Straße genauer im Blick behalten, meint auch Sebastian Schlüsselburg, Abgeordneter der Lichtenberger Linken. Sein Vorschlag: „Eine Blitzersäule muss her, damit auch in den Nachtstunden die Geschwindigkeiten kontrolliert werden können.“ Schlüsselburg weiß, dass der Polizei das Personal fehlt, um hier weitere Verkehrskontrollen punktuell durchführen zu können. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass auch Kräfte des Ordnungsamtes dafür eingesetzt werden können“, lautet sein Vorschlag, um die Raserei auf dieser Strecke besser in den Griff zu bekommen. Weiter östlich auf den Marzahner Brücken ist das Problem der Verkehrssicherheit zudem auch in der Streckenführung begründet: „Nur weil sich sehr wenige Radfahrer über diesen Streckenabschnitt trauen, sind die Unfallzahlen vergleichsweise gering“, hatte ein Polizeibeamter unlängst anlässlich einer Ortsbegehung an diesem Verkehrsknotenpunkt eingeräumt.

Stopp-Schilder, Zebrastreifen, Behelfsbrücken, Ampeln und weitere Verkehrsbeschränkungen lauteten bislang die Vorschläge des ADFC an die Verkehrslenkung Berlin. Sämtliche Maßnahmen wurden abgelehnt. Begründung: „Eine Entschleunigung des Verkehrs würde hier nur noch weiteres Potenzial für Verkehrsunfälle fördern.“ Zudem sei der Umbau des Verkehrsknotens ohnehin für die nächsten Jahre avisiert. Der Neubaustart inklusive Errichtung einer Radstrecke ist für 2022, die Fertigstellung für etwa 2028 angesetzt. „Solange wollen wir nicht warten“, sagte Grit Lehmann, eine Sprecherin der ADFC-Stadtteilgruppe Wuhletal.

Datum:18. Januar 2020, Text und Bild:  Stefan Bartylla