Berlin-Zehlendorf: Bündnis will neue Stammbahn verhindern

Stillgelegte Stammbahn am Bahnhof Zehlendorf

Forderung: Regionalzüge sollen künftig auf der Wannsee-Route fahren.

Bis zum Jahr 2034 soll die in Richtung Potsdam führende Stammbahn wieder aufgebaut werden. Ob auf der 1945 stillgelegten beziehungsweise unterbrochenen Trasse im Südwesten des Bezirks ein Regional- oder S-Bahn-Verkehr eingerichtet werden soll, wird derzeit im Rahmen des Projekts i2030 untersucht. Vonseiten der Bahn waren bereits Signale in Richtung Regionalverkehr gesendet worden.

Genau dagegen wehrt sich das Aktionsbündnis „Ressourcen nutzen, Natur schützen“. Die Gruppe schlägt vor, anstelle eines „Großprojektes Stammbahn“ das Gütergleis neben der S1, die Wannseebahn, zu reaktivieren und für den Regionalverkehr zu nutzen. So könne kurzfristig ohne hohe Kosten naturverträglich der Regionalverkehr gestärkt werden. Entlang der unbefahrenen Trasse zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee haben sich schützenswerte Naturlandschaften entwickelt“, heißt es in einer Erklärung. „Naturflächen wie diese sind unverzichtbar für Mensch und Tier und müssen erhalten bleiben.“

Lärmschutz nötig

Beim Bezirksamt stößt die Forderung auf Ablehnung. Das in Rede stehende Gleis führt vom S-Bahnhof Zehlendorf über Mexikoplatz und den Wannsee bis nach Potsdam und wurde in einem Teilabschnitt bis vor Kurzem für Güterzüge genutzt. Bezirksstadtrat Michael Karnetzki lässt das Argument des Aktionsbündnisses, eine Ertüchtigung der Wannseebahn sei schneller, kostengünstiger und einfacher, nicht gelten. „Das stimmt nur dann, wenn man vernachlässigt, dass derzeit lediglich im Gespräch ist, die dieselbetriebene Regionalbahnlinie 33 von Wannsee aus zu verlängern, weil die Strecke gar nicht elektrifiziert ist, und wenn man davon ausgeht, dass hier keine Lärmschutzmaßnahmen für die an der Strecke Anwohnenden ergriffen werden“, so der SPD-Politiker. „Berücksichtigt man dies jedoch, so wird auch hier ein Planfeststellungsverfahren erforderlich sein und der vermeintliche Vorteil würde sich schnell in Luft auflösen.“

Von den negativen Folgen eines Bahnbetriebs an der Wannseebahn wären mehr Menschen betroffen als an der Stammbahn, betont er. Da die S-Bahn dort bereits verkehre, würden sich zudem weniger Vorteile ergeben. Das Bündnis argumentiere darüber hinaus mit dem „vermeintlichen Vorteil“, dass am Bahnhof Wannsee ein wichtiger Knotenpunkt für den Pendlerverkehr aus Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf angeschlossen würde.

„Die ÖPNV-Anbindung aus Teltow/Kleinmachnow Stahnsdorf ließe sich mindestens genauso gut an den Bahnhöfen Düppel/Kleinmachnow und Europarc Dreilinden organisieren“, so Karnetzki. Das Aktionsbündnis wirft Karnetzki vor, einseitig zu argumentieren. Das „Schreckensszenario“ eines Dieselbetriebs ohne Lärmschutz sei unbegründet. Elektrisch betriebene und mit Batterien ausgestattete Regionalbahnen könnten bis zu 100 Kilometer ohne Oberleitungen verkehren, also auch zwischen Wannsee und Zehlendorf, wird mitgeteilt.

Nur Pendelzüge

Die Stammbahntrasse soll künftig vom Potsdamer Platz über die Stationen Rathaus Steglitz, Kleinmachnow, Dreilinden und Griebnitzsee nach Potsdam verlaufen. Seit 1838 war die Trasse als Teil der Bahnstrecke Berlin-Magdeburg in Betrieb. Im April 1945 sprengten deutsche Truppen die Eisenbahnbrücke über den Teltowkanal. Die Gleise zwischen Griebnitzsee und Düppel wurden später als Reparationsleistungen abgebaut. Ab Dezember 1945 fuhren nur noch Pendelzüge zwischen Düppel und Zehlendorf. Der Verkehr von Berlin nach Westen floss über die Stadtbahn und über die Wetzlarer Bahn.

Datum: 20. Januar 2020. Text: Nils Michaelis. Bild: imago images/tagesspiegel.