Mit Kind und Kegel auf nach Tegel

Diesmal werden der wunderschönen Tegeler See und seine Sehenswürdigkeiten erkundet

Wie viele der großen Bezirke Berlins ist Reinickendorf ein aus ehemals märkischen Bauerndörfern zusammengeschlossener Stadtteil. Durch die Eingemeindung vor genau 100 Jahren wurden Lübars, Frohnau, Wittenau, Heiligensee und Tegel zu einem Stadtbezirk. Trotzdem haben sich diese Orte ihren ländlichen Charme erhalten. Oder den eines Seebades. Wie Tegel zum Beispiel. Den gleichnamigen See kann man per Schiff erkunden. Später spürt man der Eisenbahngeschichte nach und erfährt mehr über einen, der beide Verkehrsmittel nutzte, um die Welt zu erforschen. Denn hier stehen sowohl die Borsigwerke, in denen früher Lokomotiven gebaut wurden, und das Humboldtschloss, in dem der spätere Weltenreisende Alexander von Humboldt mit seinem Bruder Wilhelm die Kindheit verbrachte.

Eigener Hafen

Wer am U-Bahnhof Borsigwerke (U6) aussteigt, erkennt schnell, dass die Borsigwerke weite Teile des nördlichen Tegels dominierten. Ursprünglich 1837 am Oranienburger Tor gegründet und zu einem der größten Industrieunternehmen Berlins herangewachsen, bezog die Dampflokfabrik 1898 ein neues Werk mit eigenem Hafen am Tegeler See. Gleichzeitig entstand die benachbarte Werkssiedlung Borsigwalde mit Villen für die leitenden Angestellten und Mietshäusern für die Arbeiter. In der denkmalgeschützten Räuschstraße sind Häuser und Ornamentik der Gründerzeit komplett erhalten.

Im Borsighafen wurden einst die Rohstoffe angeliefert, die ihn durch das schicke Borsigtor in Richtung Bahnlinie verließen. Durch das Tor erreicht man heute die Hallen am Borsigturm, ein Gewerbegebiet mit Einkaufs- und Tagungszentrum sowie Kino. Der Borsigturm wurde 1922 als erstes Berliner Hochhaus nach Plänen von Eugen Schmohl erbaut. Über die Veitstraße erreicht man das Ufer des Tegeler Sees und die Greenwichpromenade mit ihren Fähranlegern, Restaurants und Hotels. Wir folgen ihr Richtung Norden.

Dicke Berta

Dort, wo die Straße Am Tegeler Hafen rechts abzweigt, geht es zum ursprünglichen Dorf Tegel. Geradeaus aber überspannt die rot lackierte Sechserbrücke die Zufahrt zu ebendiesem Tegeler Hafen. Einen „Sechser“, also fünf Pfennig, kostete hier einst die Überfahrt mit dem Kahn, später der Brückenzoll. Auf der anderen Seite wartet der Tegeler Freizeitpark mit großen Wiesen, Spielplätzen, Tennisanlagen und einem Abenteuerspielplatz.

Weiter im Verlauf des Seeufers An der Malche gelangt der Spaziergänger zu einem rechts abzweigenden Pfad, der nach einigen Schritten vor der 900-jährigen „Dicken Berta“, dem ältesten Baum Berlins, endet. Später, vorbei an einem Denkmal für die Dada-Künstlerin Hannah Höch, die in der Nähe in Heiligensee lebte, und vielen Bootsstegen gelangt man zur auf der Halbinsel Reiherwerder gelegenen Villa Borsig. 1913 erbaut, ist das Gästehaus der Bundesregierung ein schöner Ausgangspunkt für ausgedehnte Spaziergänge im Tegeler Forst.

Wunderschöner Blick

Hält man sich bereits nach der Sechserbrücke an der Gabrielstraße rechts, gelangt man zum Schloss Tegel, auch Humboldtschlösschen genannt. Der Park mit der dazugehörenden Grabstätte der Brüder Humboldt erstreckt sich bis zum Freizeitpark Tegel, der auch vom Platz an der Mühle betreten oder verlassen werden kann. Auf dem Gelände wächst auch die 400 Jahre alte Humboldt-Eiche.

Weiter entlang der Karolinenstraße gelangt man zur Humboldtbibliothek, die 1988 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung fertiggestellt wurde. Von der Galerie in ihrem Inneren hat man einen wunderschönen Blick auf den Tegeler Hafen und das IBA-Gelände mit postmoderner Wohnbebauung. Zum Abschied grüßen ein paar Meter weiter die beiden Humboldtbrüder in Bronze.

Datum: 30. Januar 2020 Text: Julia Brodauf Bild: imago images/Schöning