Nach tödlichen Unfällen in Berlin: Abbiegeassistenten sollen Radfahrer schützen

ADFC will frühere Einführung / Senat plant Förderprogramm.

Das neue Jahr begann mit zwei Schreckensmeldungen aus dem Straßenverkehr. Binnen weniger Tage starben zwei Radfahrerinnen. Am 8. Januar traf es eine Frau am Kottbusser Tor. An der Ecke Reichenberger Straße wurde die 68-Jährige von einem Lkw überrollt, als dieser nach rechts in die Skalitzer Straße einbog. Am 20. Januar verunglückte eine 35-Jährige in Johannisthal tödlich. An der Kreuzung Groß-Berliner Damm/Pilotenstraße war sie von einem nach rechts abbiegenden BVG-Bus erfasst worden.

Pflicht ab 2022

Beide Unglücksfälle haben die Debatte um mehr Sicherheit für Radfahrer neu befeuert. Im Mittelpunkt stehen Abbiegeassistenten für Lastwagen und Busse. Wieder wurden Forderungen, etwa seitens des Radfahrerverbandes ADFC Berlin, laut, die Pflicht für eine entsprechende Aufrüstung vorzuziehen. Innerhalb der Europäischen Union ist die Technologie frühestens ab dem Jahr 2022 verpflichtend. Im Bundesrat scheiterte das Land Berlin mit der Initiative, Lkw ohne Abbiegeassistenten aus der Stadt aussperren zu dürfen.

Diskutiert wird aber auch über die Frage, was die Assistenzsysteme bringen, wenn Radfahrer Verkehrsregeln missachten oder selbst dann auf ihrer Vorfahrt bestehen, wenn sie sich dadurch in höchste Gefahr begeben. Und was bringt all die ausgeklügelte Technologie, wenn die Person am Steuer einfach unaufmerksam ist? Fest steht, dass der Unfallbus vom Groß-Berliner Damm zumindest über die Vorstufe eines Abbiegeassistenten verfügte: Ein Monitor zeigt dem Fahrer, was auf der rechten Seite des Fahrzeugs passiert.

Ein zusätzlicher Warnton oder gar ein automatisches Anhalten des Fahrzeugs ist laut einem RBB-Bericht nicht Teil des Pakets. Genau das fordert der ADFC. Dessen Schätzungen zufolge besitzen bundesweit nur rund fünf Prozent aller Lkw einen Abbiegeassistenten. Der Verein geht davon aus, dass sich mit dieser Ausrüstung 60 Prozent der tödlichen Abbiege-Unfälle vermeiden ließen.

Millionen für Assistenzsysteme

Die Senatswirtschaftsverwaltung will nun versuchen, mit einem Förderprogramm, die Verbreitung dieser Systeme insbesondere in der Speditions- und Logistikbranche zu beschleunigen. Dafür stehen im Doppelhaushalt für 2020/2021 pro Jahr zwei Millionen Euro zur Verfügung. Die Zustimmung aus der Finanzverwaltung stand bei Redaktionsschluss aus. Der Bund unterstützt seit 2019 den Einbau von Abbiegeassistenten.

Datum: 30. Januar 2020. Text: Nils Michaelis. Bild: imago images/Olaf Wagner.