Berlin-Friedenau: Dürerplatz in der Krise

Der Kiez in Tempelhof-Schöneberg leidet unter Rattenplage und Ladensterben.

Schön soll der Dürerplatz im Schatten der Autobahntrasse ja noch nie gewesen sein – Aufhübschung und Belebung ist an diesem Friedenauer Ort deshalb schon seit Langem ein Thema. Sitzbänke, Hochbeete und Schautafeln wurden aufgebaut und gepflegt: Vieles wurde versucht – weniges verbesserte die Situation.

Bekannte Probleme

Im Jahr 2004 bereits schaffte es der Dürerplatz in die Schlagzeilen: Vor dem Mietshaus mit den Hausnummern 4 und 5, damals in Besitz des Filmproduzenten Artur Brauner (*1. August 1918,  † 7. Juli 2019), der das Objekt vier Jahre später dann verkaufte, hatten sich Ratten breitgemacht. Ganze Rudel der ungeliebten Nager tobten selbst am Tage völlig furchtlos übers Pflaster, durch die Grünanlagen und rund um die Mülltonnen. Mittendrin in diesem Trubel eine Bäckerei, die verzweifelt versuchte, leckere Brötchen und Brote zu verkaufen und Kaffee auszuschenken. Diesen Versuch hat die Bäckerei Steinecke im vergangenen Sommer aufgegeben. Das kleine Ladengeschäft mit den großen Schaufenstern steht nun leer. Erneut klaffen hier die Rattenlöcher im Boden und zahlreiche Köderkästen zeugen von den Versuchen der Schädlingsbekämpfung.

Nachtaktive Nager

„Sobald es dunkel wird, sind die Ratten wieder mächtig aktiv und hüpfen übers Pflaster“, berichtet Rentner Klaus Grolmisch, der den Platz bereits seit vielen Jahrzehnten kennt. „Der Rattenbefall ist dem Bezirksamt seit Anfang des Jahres bekannt“, erläutert dazu Dilek Kalayci, Tempelhof-Schöneberger SPD-Abgeordnete und Gesundheitssenatorin. „Die Mängelbeseitigung ist in Arbeit. Wir haben inzwischen Kamerafahrten zur Aufspürung von Defekten in der Abwasserleitung in Auftrag gegeben“, erklärt Birke Preußler, Sprecherin der zuständigen Stadträtin Christiane Heiß (Grüne). Dass es für die Rattenplage noch andere Gründe gibt, belegt ein Aushang am Arthur-Brauner-Haus: „Wir bitten darum, keinen Müll oder Essensreste aus den Fenstern oder Balkonen zu werfen“, lautet dort die Aufforderung der Hausverwaltung.

Bedrückender Leerstand

Die Rattenplage ist nicht das einzige Problem am Dürerplatz. Bis zum vergangenen Sommer gab es auf der gegenüberliegenden Seite, an der Rembrandtstraße 13 nämlich, noch einen Aldi-Markt. Wegen Umbau des Hauses zog der seine Räume Anfang Oktober frei. Zugeklebte und vollgeschmierte Scheiben sorgen nun für einen schäbigen und wenig einladenden Eindruck. „Der Mietvertrag mit Aldi besteht weiterhin. Die Baumaßnahmen haben bereits begonnen“, erklärt dazu eine Sprecherin der zuständigen Best-Place-Hausverwaltung. Im Moment sei es aber zu kalt für weitere Arbeiten und zudem schwierig, Firmen zu finden, die man damit beauftragen könne. Dilek Kalayci ist auch in dieser Angelegenheit inzwischen aktiv geworden. Eine Antwort von Aldi über die Länge der Baumaßnahme stehe aber noch aus und weiterführende Informationen aus dem Bauamt über den Umbau des gesamten Hauses werden für die kommende Woche erwartet. Allein die Genehmigung seines Amtes zur Erweiterung der Aldi-Fläche kann Baustadtrat Jörn Oltmann (Bündnis 90/Grüne) bestätigen. Mehr zu den Baumaßnahmen am Haus wird aber auch er erst in den kommenden Wochen in Erfahrung bringen können.

Nachbarn skeptisch

Dass mit einer baldigen Fortführung der Bauarbeiten gerechnet werden kann, bezweifeln indes einige Nachbarn. Kräne, Bagger, Werkzeuge oder Bauarbeiter wurden auf dieser Baustelle schon seit vielen Wochen nicht mehr gesehen. „Die Schließung des Aldi-Marktes bemerken wir Händler in den Nebenstraßen sehr“, sagt Dietmar Schmidt, der einen kleinen Fußball-Fanshop in der Cranachstraße betreibt. Alle kleinen Läden im Kiez würden die Umsatzeinbußen durch die Verödung des Dürerplatzes schließlich deutlich zu spüren bekommen.

Datum: 6. Februar 2020, Text und Bild: Stefan Bartylla